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Künftige Ausrichtung des Konzerns
Für die kommenden zwei Jahre ist aus heutiger Sicht keine grundlegende Veränderung der Konzernstrategie oder der Organisationsstruktur vorgesehen. Der Fokus auf wachsende Spezialchemie-Märkte und das Angebot innovativer Chemielösungen basierend auf den Anforderungen unserer Kunden werden weiterhin die Treiber für die Geschäftsentwicklung sein.
Der Eintritt in neue Marktsegmente oder Anwendungsbereiche sollte mittelfristig zu keiner grundsätzlichen Veränderung der Absatzstruktur führen. Das Gleiche gilt für die ausgewogene regionale Umsatzaufteilung.
Es kann allerdings aufgrund von weiteren Akquisitionen zu einer Veränderung der Absatz- und Marktstrukturen kommen. Arrondierende Akquisitionen können dabei ebenso zu einer Verschiebung führen wie eine mögliche Integration eines neuen Geschäftsbereichs. Hinzu kommt, dass bestehende Geschäftsaktivitäten veräußert oder eingestellt werden könnten.
Der Bereich der Arbeitssicherheit und der Fokus auf umweltverträgliches Wirtschaften werden auch weiterhin Bestandteile der ambitionierten Zielsetzungen sein, die die strategische Ausrichtung der ALTANA Gruppe beeinflussen.
Konjunktur- und Branchenausblick
Für das Jahr 2026 geht ALTANA von einer moderaten Verbesserung der Nachfrageentwicklung aus. Diese Einschätzung basiert auf der Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF), der für das Jahr 2026 mit einem Wachstum von 3,3 % rechnet, einer Fortsetzung der Entwicklung der weltweiten Wirtschaftsleistung auf annähernd gleichbleibendem Niveau wie im abgeschlossenen Jahr (2025: 3,3 %). Die geopolitischen Spannungen der vergangenen Jahre bestehen weiter und es ist davon auszugehen, dass zusätzliche ökonomische Unsicherheiten aus handelspolitischen Konflikten resultieren können. Hingegen haben sich die Inflationsraten im vergangenen Jahr weiter normalisiert. 2026 wird sich der Inflationsdruck voraussichtlich weiter reduzieren, was den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zusätzlich Stabilität verleihen sollte. Auch im Hinblick auf die globalen Lieferketten sowie die Energieversorgungslage erwartet der IWF derzeit keine erneute Zuspitzung der Situation.
Das Wirtschaftswachstum wird, wie im Vorjahr, in den Industrienationen voraussichtlich moderater ausfallen als in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Der IWF erwartet für die Gesamtheit der Industrienationen im Jahr 2026 eine Wachstumsrate von 1,8 % (Vorjahr: 1,7 %); eine Entwicklung, die sich in allen Volkswirtschaften zeigt, wenn auch in unterschiedlicher Intensität. In den USA wird für das Jahr 2026 ein stabiles Wachstum von 2,4 % prognostiziert, nachdem im Jahr 2025 ein Zuwachs von 2,1 % verzeichnet wurde. Der Zuwachs wird im Wesentlichen mit hohen Investitionen in Technologie und KI-getriebene Infrastruktur begründet sowie mit weiterhin unterstützenden fiskalischen Rahmenbedingungen. Im Wirtschaftsraum der Eurozone rechnet der IWF im Jahr 2026 mit einem Wachstum in Höhe von 1,3 %, einer leichten Abschwächung gegenüber dem Vorjahr (2025: 1,4 %). Für Deutschland geht der IWF für das Jahr 2026 von einer verhaltenen konjunkturellen Erholung aus. Nach einer Wachstumsrate von 0,2 % im Jahr 2025 wird für 2026 ein Wachstum von 1,1 % erwartet. Die wirtschaftliche Entwicklung wird weiterhin durch strukturelle Belastungsfaktoren, eine schwache industrielle Nachfrage sowie die Nachwirkungen hoher Energiepreise gebremst. Nachfragestabilisierend wirken hingegen erhöhte staatliche Ausgaben und fiskalische Impulse.
Das Wachstum in den Schwellenländern wird 2026 laut Prognose des IWF insgesamt 4,2 % betragen und somit weiterhin über dem globalen Durchschnitt, aber leicht unter dem Niveau des Vorjahres (2025: 4,4 %) liegen. Das erwartete Bild ist bezogen auf einzelne Volkswirtschaften wie in den Vorjahren unterschiedlich. China könnte auf Basis der Prognose des IWF für das Jahr 2026 mit einem Wachstum von 4,5 % ein leicht niedrigeres Niveau im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen (2025: 5,0 %). Die chinesische Konjunktur profitiert dabei unter anderem von einer teilweisen Entspannung und einer stärkeren Diversifizierung der handelspolitischen Beziehungen sowie von stabilisierenden wirtschaftspolitischen Maßnahmen. Gegenläufig könnten sich weiterhin Schwächen im Immobiliensektor, eine hohe Verschuldung im Unternehmens- und Regionalstaatensektor sowie eine nachlassende Binnennachfrage auswirken. Indien zeigt sich dagegen weiterhin als eine der dynamischsten Volkswirtschaften weltweit. Für das Jahr 2026 könnte mit voraussichtlich 6,4 % die positive Entwicklung des Vorjahres zwar leicht unterschritten werden (2025: 7,3 %), aber die indische Volkswirtschaft profitiert nach wie vor von einer robusten Binnennachfrage und hohen öffentlichen Investitionen. Die lateinamerikanischen Volkswirtschaften zeigen mit 2,2 % insgesamt eine im Vergleich zu anderen Schwellenländern schwächere, jedoch im Vergleich zum Vorjahr stabile Wachstumsprognose (2025: 2,4 %). Brasilien und Mexiko liegen mit Prognosen von 1,6 % beziehungsweise 1,5 % allerdings unter den Erwartungen einiger anderer Länder dieser Region.
Für das Jahr 2026 stellt der IWF mehrere makroökonomische Risiken dar, die die moderate globale Wachstumsentwicklung gefährden könnten. Die erneute Eskalation von Handelskonflikten mit neuen Zöllen und Sanktionen würde weitere Unsicherheiten erzeugen. Der IWF sieht die Gefahr neu aufflammender oder sich ausweitender militärischer und politischer Konflikte weiterhin als hohes Risiko an. Gestörte Lieferketten und steigende Energie- und Rohstoffpreise stellen in diesem Zusammenhang ein hohes wirtschaftliches Risiko dar. Auch eine mögliche Überbewertung der Produktivitätssteigerungen in Zusammenhang mit Investitionen in KI könnte laut IWF durch Korrekturen an den Finanzmärkten hohe gesamtwirtschaftliche Risiken bergen. Risiken infolge der klimatischen Veränderungen wurden vom IWF nicht explizit benannt, haben aber an Relevanz nicht verloren. Größere Naturkatastrophen treten vermehrt auf und bedrohen alle Volkswirtschaften.
Für den allgemeinen Chemiesektor wird für 2026 ein globales Wachstum auf leicht niedrigerem Niveau als bei der prognostizierten gesamtwirtschaftlichen Entwicklung erwartet. Die deutsche Branchenvereinigung VCI erwartet für 2026 einen Anstieg der weltweiten Chemieproduktion um 2,3 %, nach einem Zuwachs in Höhe von 3,5 % im zurückliegenden Geschäftsjahr. Auch hier wird für die Industrienationen ein schwächeres Wachstum als für die Schwellen- und Entwicklungsländer prognostiziert. Die USA liegen dabei mit 1,5 % und Europa mit einem Rückgang von 0,5 % weit hinter China zurück, wo ein Wachstum von 6,0 % erwartet wird.
Wir gehen auf Basis der konjunkturellen und branchenspezifischen Rahmenbedingungen davon aus, dass sich die allgemeine Nachfrage auf den für ALTANA relevanten Märkten grundsätzlich leicht positiv, wenn auch regional und marktspezifisch unterschiedlich entwickeln wird. Inwieweit Veränderungen im Lagerverhalten entlang der Wertschöpfungskette die tatsächliche Nachfrage nach Produkten unserer Geschäftsbereiche beeinflussen, hängt in hohem Maße von der von unseren Kunden erwarteten kurz- bis mittelfristigen Entwicklung ab. Bewegungen der Lagerniveaus können zu wesentlichen Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung führen.
Die Preisentwicklung für Rohöl kann kaum verlässlich prognostiziert werden. Der durchschnittliche Preis pro Barrel sank 2025 deutlich. Für das Jahr 2026 wird laut IWF ein weiteres leichtes Sinken des Ölpreises erwartet. Die Verfügbarkeit, die Preisgestaltung und die Verbrauchsmenge von Chemieprodukten unterliegen – in unterschiedlichem Ausmaß – dem Einfluss des Rohölmarkts. Zudem kann die Erwartung von Marktteilnehmern in Bezug auf die zukünftige Entwicklung des Ölpreises deutliche Veränderungen in der Lagerhaltung entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Chemiewirtschaft bewirken.
Wie in den Vorjahren können auch 2026 die für ALTANA wesentlichen Wechselkursrelationen ausgeprägte Volatilitäten aufweisen. Ausschlaggebend für Wechselkursbewegungen kann neben der Entwicklung der regionalen Zinsniveaus und Wirtschaftsleistungen auch politische Einflussnahme sein. Konkrete Risiken, aber auch Chancen können sich aus einer Abweichung der tatsächlichen Wechselkursentwicklung zu unseren Planannahmen ergeben.
Erwartete Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage
Erwartete Umsatz- und Ergebnisentwicklung
Aufgrund des erwarteten moderaten Wachstums der globalen Wirtschaft gehen wir auch für unsere Produkte und Dienstleistungen von einer entsprechend positiven Entwicklung der Nachfrage im Geschäftsjahr 2026 aus. Das operative Umsatzwachstum, also bereinigt um Wechselkurs- und Akquisitionseffekte, wird sich voraussichtlich im mittleren einstelligen Prozentbereich bewegen. Maßgeblich für das Wachstum sollte im Wesentlichen ein Anstieg der Absatzmenge sein.
Für das Jahr 2026 werden negative Wechselkurseffekte, im Wesentlichen aus der Relation des US-Dollars und des chinesischen Renminbis zum Euro, gegenüber dem Vorjahr erwartet, die die nominale Umsatzwachstumsrate belasten sollten. Gleiches gilt für die Effekte aus den im Jahr 2025 erfolgten Veräußerungen von Geschäftsaktivitäten der Von Roll Gruppe im Zuge der Integrationsmaßnahmen bei ELANTAS.
Wir gehen davon aus, dass sich bei den wesentlichen Funktionskostengrößen keine signifikanten Verschiebungen von Kostenquoten im Verhältnis zum Umsatz ergeben. Für die Materialkostenquote prognostizieren wir eine Entwicklung auf annähernd gleichem Niveau wie im abgelaufenen Geschäftsjahr.
Bei den Personalkosten planen wir für 2026 einen relativen Zuwachs, der insgesamt etwas unter dem Niveau des operativen Umsatzwachstums liegen wird. Auch bei anderen Kostengrößen sollten sich die relativen Zuwächse durch gutes Kostenmanagement und Nutzung von Synergien unterhalb des operativen Umsatzwachstums bewegen. Insgesamt wird für 2026 eine leichte Reduzierung der operativen Kosten im Verhältnis zum Umsatz angestrebt.
Die EBITDA-Marge sollte 2026 bedingt durch den Wegfall der 2025 vereinnahmten Sondereffekte leicht unter dem Niveau des Vorjahres liegen. Damit wird der strategische Zielkorridor von 18% bis 20% voraussichtlich noch nicht wieder erreicht werden. Das absolute EBITDA prognostizieren wir für 2026 etwa auf dem Niveau des Vorjahreswerts.
Nach 2026 erwarten wir eine unseren strategischen Zielen entsprechende operative Wachstumsdynamik für den Konzernumsatz im mittleren einstelligen Prozentbereich und eine kontinuierliche Verbesserung unserer Profitabilität, die voraussichtlich ab dem Jahr 2027 wieder unseren langfristigen Zielkorridor erreichen wird.
Erwartete Vermögens- und Finanzlage
In der Bilanzstruktur dürften sich 2026 insgesamt keine wesentlichen Verschiebungen im Vergleich zum Jahresende 2025 ergeben. Das Niveau unserer Investitionen in Sachanlagen und Immaterielle Vermögenswerte sollte sich in den kommenden zwei Jahren weiterhin in unserem langfristigen Zielkorridor von 5 % bis 6 % vom Umsatz bewegen. Die absoluten Werte des Net Working Capital werden sich voraussichtlich analog zum allgemeinen Geschäftsverlauf entwickeln, wobei es unser Ziel ist, das relative Niveau im Vergleich zum Jahresende 2025 leicht zu reduzieren.
Auf Basis der erwarteten Geschäftsentwicklung werden wir aus der betrieblichen Tätigkeit auch in den kommenden Jahren einen deutlich positiven Cashflow erwirtschaften, der über dem Vorjahreswert liegen sollte. Den Mittelzufluss werden wir vornehmlich zur Finanzierung von Investitionen und gegebenenfalls weiteren Akquisitionen nutzen.
Für die Kennzahlen des Wertmanagements erwarten wir eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum abgeschlossenen Geschäftsjahr. Diese resultiert im Wesentlichen aus einem weiteren Anstieg der zugrunde liegenden Erlöse im Vergleich zum Vorjahr. Für den relativen und den absoluten ALTANA Value Added (AVA) sowie den Return on Capital Employed (ROCE) erwarten wir eine entsprechend positive Entwicklung.
Erwartete Entwicklung im Bereich Arbeitssicherheit und Umwelt
ALTANA hat folgende Zielkorridore für die drei Unfallkennzahlen im Jahr 2026 festgelegt: WAI 1: 0 bis 2,3; WAI 2: 0 bis 1,6 und WAI 3: 0 bis 25,7. Diese Werte beziehen sich jeweils auf den gesamten ALTANA Konzern inklusive der in den Jahren 2023 und 2024 akquirierten Unternehmen der Von Roll Gruppe und der Silberline Gruppe. Im Vergleich zum Vorjahr erwarten wir einen deutlichen Rückgang an Arbeitsunfällen. In den Geschäftsbereichen wurden dezidierte Maßnahmen gestartet bzw. vorbereitet, die zu einem Rückgang insbesondere im Bereich der verhaltensbasierten Unfälle führen sollen.
Für die Entwicklung der Treibhausgasemissionen in Scope 1 und 2 (nach der market-based Methode berechnet) prognostizieren wir eine weitere Reduktion, auch bei steigenden Produktionsmengen. Gemäß dem SBTi-Zielkorridor legte ALTANA ursprünglich einen Wert von 123,9 Tausend Tonnen CO²-Äquivalenten für Scope 1 und 2 für 2026 fest. Auch bei der Steigerung der Energieeffizienz sehen wir weiteres Verbesserungspotenzial. Das Ziel für den spezifischen Energiekennwert 2026 liegt bei 1,38 MWh / t, nach einem Ist-Wert von 1,41 MWh / t im vergangenen Geschäftsjahr. In den Folgejahren werden weitere Reduktionen des spezifischen Energieverbrauchs in der Größenordnung von 2 % pro Jahr angestrebt.
Risiken
Die Steuerung des ALTANA Konzerns richtet sich nach der definierten Strategie und den daraus abgeleiteten Zielgrößen. Durch Veränderungen des wirtschaftlichen Umfelds oder durch interne und externe Einflussfaktoren kann es dazu kommen, dass die Strategie nicht erfolgreich umgesetzt oder Ziele nicht in der geplanten Zeit oder im geplanten Umfang realisiert werden können. Damit ALTANA auf solche Situationen bestmöglich vorbereitet ist, werden Risiken systematisch identifiziert, bewertet und im Rahmen von Entscheidungsprozessen berücksichtigt. Als „Risiken” bezeichnen wir Ereignisse und mögliche Entwicklungen, die sich negativ auf die Erreichung der Unternehmensziele auswirken können.
Um diese Risikopolitik auf allen Entscheidungsebenen zu verankern, haben wir ein konzernweites Risikomanagement etabliert, das vielfältige Informations-, Kommunikations- und Überwachungssysteme vereint. Kernelemente des Risikomanagements sind die strategische Unternehmensplanung, das interne Berichtswesen, das interne Kontrollsystem, die Compliance-Organisation sowie das Risikomanagement im engeren Sinne.
Die strategische Unternehmensplanung ist eng verbunden mit der mittel- bis langfristigen Finanzplanung. Die daraus abgeleiteten Ziele werden in der monatlichen Berichterstattung über die Geschäftsentwicklung und der kurzfristigen Finanzplanung auf den Erfüllungsgrad hin überprüft. Zusätzlich zur Analyse der aktuellen Geschäftslage werden dort die Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr regelmäßig auf Ebene der Geschäftsbereiche umfassend erörtert. So können Abweichungen von geplanten Entwicklungen erkannt und bei Bedarf frühzeitig mögliche Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.
Das interne Kontrollsystem definiert unter anderem organisatorische und prozessuale Anforderungen, die der Abwehr von Schäden für das Unternehmen dienen. Es soll die Ordnungsmäßigkeit sowohl der internen und externen Finanzberichterstattung als auch der nicht-finanziellen Kennzahlen gewährleisten sowie die Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit der Geschäftstätigkeit des Unternehmens und die Einhaltung der maßgeblichen rechtlichen Vorschriften und internen Richtlinien sicherstellen. Es umfasst alle dafür eingeführten Grundsätze, Anweisungen und Maßnahmen. In Verbindung mit der etablierten Compliance-Organisation sollen mögliche Verstöße von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegen Richtlinien und Gesetze verhindert werden.
Unter Risikomanagement im engeren Sinne versteht ALTANA die systematische Erhebung, Bewertung, Dokumentation, Kommunikation und, sofern nicht bereits vorhanden, Ableitung von Maßnahmen bezüglich der relevanten Risiken sowie die Ermittlung und Beurteilung der Risikotragfähigkeit. Es stellt damit auch einen wesentlichen Bestandteil des Risikofrüherkennungssystems nach § 91 Abs. 2 AktG dar, das vom Wirtschaftsprüfer 2025 wieder einer freiwilligen Prüfung unterzogen wurde. Die Prüfung ergab, dass der Vorstand die nach § 91 Abs. 2 AktG geforderten Maßnahmen, insbesondere zur Einrichtung eines Überwachungssystems, in geeigneter Form getroffen hat und dass das Überwachungssystem in allen wesentlichen Belangen geeignet ist, Entwicklungen, die den Fortbestand der Gesellschaft gefährden, mit hinreichender Sicherheit frühzeitig zu erkennen.
Identifizierte Risiken werden in einheitlicher Weise bewertet. Auf Basis von Eintrittswahrscheinlichkeiten und erwarteten Schadenshöhen werden die sogenannten bewerteten Risiken ermittelt. Die Einzelrisiken werden bestimmten Risikogruppen zugeordnet. Sehr hohe Risiken bzw. Risikogruppen sind solche mit einem für die kommenden zwölf Monate bewerteten Risiko von über 25 Mio. €. Risiken mit einem bewerteten Risiko zwischen größer als 12 bis zu 25 Mio. € werden als hoch klassifiziert, solche mit einem bewerteten Risiko zwischen größer als 5 und 12 Mio. € als mittel eingeordnet und solche mit einem bewerteten Risiko von bis zu 5 Mio. € als gering klassifiziert. Die aus der Bewertung resultierende Priorisierung bestimmt Schwerpunkte für die Erarbeitung und Einleitung von Gegenmaßnahmen, um potenzielle Risikoauswirkungen zu verhindern oder zu reduzieren.
Die nachfolgend beschriebenen Einzelrisiken und Risikogruppen sind grundsätzlich in der Lage, die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage des Konzerns teilweise erheblich nachteilig zu beeinflussen und somit eine negative Abweichung von der prognostizierten voraussichtlichen Entwicklung herbeizuführen. Bei Risiken der Kategorien „mittel“, „hoch“ und „sehr hoch“ gehen wir nachfolgend auf Veränderungen in der Einschätzung im Vergleich zum Vorjahr ein.
Nach einem Anstieg der kurzfristigen bewerteten Risiken der ALTANA Gruppe im Vorjahr um 10 % reduzierte sich im Berichtsjahr der Wert um 3 % im Vergleich zum Jahr 2024, maßgeblich begründet durch geringere Risiken im Bereich der Innovationsplattformen, reduzierte Beschaffungs- und Produktionsrisiken und eine Verringerung der Eintrittswahrscheinlichkeit eines weiteren konjunkturellen Abschwungs.
Konjunkturelle und Branchenrisiken
Die Entwicklung der weltweiten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen spielt eine entscheidende Rolle für die Geschäftsentwicklung. Insbesondere die Konjunkturentwicklungen in den für ALTANA besonders bedeutenden Volkswirtschaften USA, China und Deutschland bestimmen die Richtung und die Intensität der Nachfrage nach unseren Produkten.
Eine globale Wirtschaftskrise mit einem Einbruch der volkswirtschaftlichen Entwicklung würde zu deutlichen Umsatzrückgängen mit entsprechenden Ergebnisauswirkungen führen. Aber auch regional begrenzte Rezessionen in für uns wesentlichen Absatzmärkten können die Geschäftsentwicklung erheblich beeinflussen. Wir versuchen, mit der globalen Ausrichtung unserer Vertriebsaktivitäten die Abhängigkeit von regionalen oder nationalen Einzelmärkten so zu gestalten, dass die Auswirkungen geografisch begrenzter Wirtschaftskrisen auf den Konzern beschränkt sind.
So vereinen die aktuell bedeutendsten Länder USA und China jeweils weniger als 20 % des Konzernumsatzes auf sich. Auch die Aufteilung unserer Geschäftsaktivitäten auf die Kernregionen Europa, Asien und Amerika weist eine ausgeglichene Struktur auf.
Weiterhin aktualisieren wir im Rahmen des internen Berichtswesens kontinuierlich unsere Einschätzung zur regionalen Konjunkturentwicklung, um auf absehbare Auswirkungen mit der Steuerung unserer Beschaffungs-, Produktions- und Vertriebsaktivitäten reagieren zu können. Auf langfristige Verschiebungen in der regionalen Bedeutung der Absatzmärkte reagieren wir mit der Anpassung unserer Vertriebs-, Produktions- und Organisationsstrukturen.
Neben den allgemeinen Konjunkturrisiken existieren marktbezogene Absatzrisiken, die einzelne Produktgruppen oder Anwendungsbereiche betreffen. Vor allem mittel- bis langfristige Trends, die strukturell eine rückläufige Nachfrage in unseren Zielmärkten auslösen, können dazu führen, dass wir unsere Wachstums- und Profitabilitätsziele nicht erreichen. Auch branchenbezogenen Absatzrisiken versuchen wir mit einer breiten Streuung unseres Angebots entgegenzuwirken. Wir beliefern viele unterschiedliche Industrien, die ihre Endprodukte wiederum in diversen Märkten absetzen. Daher ist die Abhängigkeit von den zugrunde liegenden Märkten begrenzt. Nach den uns vorliegenden Informationen ist keinem einzelnen Konsumsegment wesentlich mehr als 20 % unseres Umsatzes zuzurechnen. Der größte Anteil entfällt auf den Automobilsektor.
Die Analyse unserer branchen- und anwendungsbezogenen Umsätze ist Bestandteil unserer jährlichen Strategie- und Planungsprozesse. Dabei prüfen wir auch die Veränderung der zukünftigen Wachstumspotenziale durch Nachfragetrends und Technologieentwicklungen und passen gegebenenfalls die strategische Ausrichtung in den einzelnen Geschäftsbereichen an.
Das Eintreten einer weltweiten Wirtschaftskrise sowie das Aufkommen regionaler Wirtschaftskrisen stellen weiterhin bedeutende Risiken dar. Die prognostizierten Schadenswerte sind sowohl bei den globalen als auch bei den regionalen Konjunkturrisiken deutlich angestiegen, wobei die Eintrittswahrscheinlichkeit der Einzelrisiken von globalen und regionalen Konjunkturkrisen im Vergleich zum Vorjahr rückläufig eingeschätzt wird. In Summe führt dies zu einem leichten Rückgang des bewerteten Risikos. Sowohl die Einzelrisiken globaler und regionaler Wirtschaftskrisen als auch die gesamte Risikogruppe werden unverändert der Gruppe der hohen Risiken zugeordnet.
Absatzrisiken
Absatzrisiken resultieren vor allem aus Veränderungen der Markt- und Kundenstruktur und einer damit einhergehenden steigenden Wettbewerbsintensität sowie aus Vermarktungsrisiken für Produkte oder Produktgruppen aufgrund spezifischer Nachfragetrends oder technologischer Veränderungen.
In der Folge kann es zu sinkenden Umsatzerlösen kommen, die sowohl durch rückläufige Absatzmengen als auch durch nachgebende Preise herbeigeführt werden können. Soweit es nicht möglich ist, die Kostenstruktur kurzfristig anzupassen, kann dies zu einem Rückgang der Profitabilität führen.
Wir begegnen Absatzrisiken mit einer kontinuierlichen Weiterentwicklung und Optimierung unseres Produkt- und Leistungsportfolios, vor allem auf Basis unserer Innovationskraft. Dabei ist entscheidend, dass wir frühzeitig in der Entwicklungsarbeit die enge Abstimmung mit unseren Kunden suchen, um uns an dynamischen Marktbedürfnissen auszurichten. Mit unserer Innovationsstrategie können wir so einer Verschärfung der Wettbewerbssituation in unseren Märkten entgegenwirken.
Zu wesentlichen Veränderungen in der Kundenstruktur kann es durch den Wegfall, Zusammenschlüsse oder auch die Rückwärtsintegration von Kunden kommen. Aufgrund unserer sehr diversifizierten Kundenstruktur sind diese Risiken allerdings begrenzt. Zudem pflegen wir eine partnerschaftliche Zusammenarbeit im Rahmen unseres Key Account Managements.
Bei der Gruppe der Absatzrisiken im Bereich Markt und Technologie hat sich im Vergleich zum Vorjahr sowohl die Einschätzung der potenziellen Schadenshöhe als auch die Eintrittswahrscheinlichkeit geringfügig erhöht und stellt für diese Berichtsperiode das am höchsten bewertete Risiko dar. Ursächlich hierfür sind im Wesentlichen negative Entwicklungen des Wettbewerbsumfelds, insbesondere durch schwer prognostizierbare und volatile Veränderungen der Zollpolitik einzelner Staaten und allgemein durch den fortgesetzten, auch inflationsbedingten Kostendruck. Insgesamt wird die Größenordnung des bewerteten Risikos weiterhin als hoch eingestuft. Bei der Risikogruppe im Bereich Verkauf und Distribution stieg die potenzielle Eintrittswahrscheinlichkeit durch den Preisdruck auf internationale Kontrakte leicht an. Die potenzielle Schadenshöhe sank dagegen leicht. Das bewertete Risiko stieg leicht an, diese Gruppe wird jedoch unverändert den mittleren Risiken zugeordnet.
Risiken aus Unternehmenszukäufen, Beteiligungen und sonstigen Investitionen
Neben dem operativen Wachstum spielen die Übernahmen von Unternehmen, Geschäftsaktivitäten oder Technologien für ALTANA eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Strategie des nachhaltig profitablen Wachstums. Je nach Größenordnung der übernommenen Aktivitäten kann eine mangelhafte Integration dazu führen, dass die Ertragslage des Konzerns belastet und der finanzielle Spielraum eingeschränkt wird. Auch kann es bei einer Verschlechterung der Geschäftsentwicklung gegenüber den zum Zeitpunkt des Kaufs erwarteten Annahmen zu ergebnisbelastenden Wertminderungen von Vermögenswerten kommen.
Um die Auswirkungen dieser Risiken aus Zukäufen zu minimieren, prüfen wir die Akquisitionsziele systematisch und umfassend und analysieren sie im Rahmen eines mehrstufigen Genehmigungsprozesses sehr genau.
Darüber hinaus können aus der Restrukturierung von Geschäftsaktivitäten oder der Umsetzung von langfristig orientierten Effizienzmaßnahmen Wertminderungen für Vermögenswerte resultieren.
Zur Umsetzung der strategischen Ziele erweitert und erneuert ALTANA stetig die eigenen Entwicklungs-, Produktions- oder sonstigen Anlagen. Die zum Teil sehr komplexen Projekte unterliegen dabei stets gewissen Risiken hinsichtlich der Einhaltung der Zeitpläne, budgetierten Kosten sowie hinsichtlich der Realisierung der erwarteten Ziele. Die Projekte durchlaufen regelmäßig umfangreiche Genehmigungs- und Überwachungsroutinen. Die Summe der potenziellen Schäden hat sich gegenüber dem Vorjahr leicht vermindert, die Eintrittswahrscheinlichkeit ist hingegen im Vergleich zum Vorjahr aufgrund von höheren Abwertungsrisiken in einzelnen Geschäftsfeldern insgesamt leicht gestiegen. Die Risiken aus Investitionen werden weiterhin den mittleren Risiken zugeordnet.
Beschaffungsrisiken
Zu den wesentlichen Beschaffungsrisiken zählen eine Einschränkung der Verfügbarkeit von einzelnen Rohstoffen und Transportdienstleistungen sowie erhebliche Preiserhöhungen für Rohstoffe und Logistik, die wir nicht kurzfristig oder nur anteilig an die Märkte weitergeben können und die so zu Belastungen für die Ertragslage des Konzerns werden können.
Wir analysieren ständig die Marktsituation auf den für ALTANA relevanten Rohstoff- und Logistikmärkten. Dadurch können wir sowohl Preistrends als auch strukturelle Veränderungen auf der Anbieterseite frühzeitig identifizieren und Maßnahmen vorbereiten. Diese Erkenntnisse fließen in die Gestaltung unserer Lieferkontrakte ein. Gleichzeitig berücksichtigen wir Preisvolatilitäten auch im Rahmen unserer Kundenbeziehungen. Um Preiserhöhungen kurzfristig an die Märkte weitergeben zu können, nutzen wir die Flexibilität von Preismechanismen und Preisbindungsfristen.
Sowohl die Eintrittswahrscheinlichkeit für die Gruppe der Beschaffungsrisiken als auch die potenzielle Schadenshöhe sanken im Vergleich zum Vorjahr leicht ab. Ein wesentlicher Grund hierfür ist ein in Summe gesunkenes Risiko für einen Anstieg von Rohstoffkosten. Die Einstufung der Gruppe der Beschaffungsrisiken veränderte sich insgesamt nicht und wird weiterhin der Gruppe der hohen Risiken zugeordnet.
Finanzmarktrisiken
Finanzmarktrisiken betreffen im Wesentlichen kurzfristige und deutliche Veränderungen von Wechselkursrelationen und Zinssätzen, Kreditausfallrisiken sowie die Deckung von Finanzmittelbedarfen.
Aus Wechselkursschwankungen können durch die Umrechnung von Fremdwährungspositionen in die Konzernwährung Euro ebenso Belastungen auf Konzernumsatz und Ergebnisentwicklung (Translationsrisiken) resultieren wie auch im Rahmen von Geschäften in Fremdwährung (Transaktionsrisiken). Zinssatzveränderungen beeinflussen die Finanzierungskosten. Der Ausfall von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen oder von Finanzforderungen kann die Ertragslage und auch die Finanzmittelausstattung des Konzerns nachteilig beeinflussen. Eine mangelnde Verfügbarkeit von Finanzmitteln für die Umsetzung von Akquisitionen oder wesentlichen Investitionsprojekten kann dazu führen, dass wir unsere strategischen Ziele verfehlen.
Materielle Transaktionsrisiken sichern wir in den Fällen über Devisengeschäfte ab, in denen wir mit hinreichender Sicherheit von einer Realisierung des zugrunde liegenden Geschäfts ausgehen. Weiterführende Informationen zur Bewertung und Bilanzierung von Sicherungsgeschäften finden sich im Konzernabschluss hier (Punkt 27).
Zur Minimierung von Kreditausfallrisiken sind systematische Prüfungen der Bonität und des Zahlungsverhaltens unserer Geschäftspartner vorgesehen. Dies betrifft sowohl die Kunden als auch unsere Geschäftsbanken und andere Geschäftspartner, bei denen Zahlungsausfälle einen Einfluss auf unsere Finanzsituation haben können.
Die Verfügbarkeit von Finanzmitteln sichern wir über die zentrale Steuerung und Überwachung der konzernweiten Finanzmittelbestände. Zudem wird durch die Nutzung verschiedener Finanzierungsinstrumente ebenfalls zentral ein Finanzmittelrahmen zur Verfügung gestellt. Dieser kann genutzt werden, um kurz- bis mittelfristig auftretende ungeplante Finanzbedarfe zu decken, die beispielsweise aufgrund von Akquisitionen oder einer krisenbedingt rückläufigen operativen Geschäftstätigkeit entstehen.
Die Gruppe der Finanzmarktrisiken wird trotz eines leichten Anstiegs der bewerteten Risikosumme weiterhin als mittleres Risiko eingestuft. Während die Eintrittswahrscheinlichkeit sich leicht verminderte, stieg die potenzielle Schadenshöhe durch eine Veränderung der Höhe der Bankeinlagen deutlich an. Die anhaltend hohen Zuflüsse aus der operativen Geschäftstätigkeit und der bestehende allgemeine Finanzmittelrahmen übersteigen nach wie vor die erwarteten Abflüsse für Investitionen, Tilgungen und Dividenden.
Innovationsrisiken
Für ALTANA stellt die Innovations- und Technologieführerschaft einen wesentlichen Erfolgsfaktor dar. Als Anbieter von teilweise hochspezialisierten Chemieprodukten ist es wichtig, kontinuierlich mit neuen Produkten am Markt präsent zu sein und von unseren Kunden als kompetenter und innovativer Partner wahrgenommen zu werden. Sollte dies zukünftig nicht mehr gelingen, könnten sich Risiken für das nachhaltige Wachstum, das Erreichen unserer Rentabilitätsziele sowie die Positionierung von ALTANA in den relevanten Märkten ergeben.
Mit unserer auf allen Organisationsebenen gelebten Innovationskultur stellen wir die Bedeutung der Innovation heraus und sichern somit deren Stellenwert. Sowohl dezentral als auch auf Konzernebene werden die Aktivitäten in Forschung und Entwicklung kontinuierlich anhand von finanziellen und nicht-finanziellen Kriterien bewertet und gesteuert. Indem wir überdurchschnittlich in Forschung und Entwicklung investieren, können wir stetig individuell auf aktuelle Kundenbedürfnisse zugeschnittene Produkte am Markt einführen und so unsere Wettbewerbsposition positiv beeinflussen.
Der Schutz des erarbeiteten Know-hows über Patente ist wichtig, um einen Wissensvorsprung auch in wirtschaftlichen Erfolg umzuwandeln. Dazu gehört auch, aktuell genutzte Technologien oder Verfahrens- und Produkteigenschaften so abzusichern, dass diese nicht von anderen Unternehmen genutzt werden können.
Bei der Gruppe der Innovationsrisiken bewegen sich potenzielle Schadenshöhe und Eintrittswahrscheinlichkeit deutlich unter Vorjahresniveau, im Wesentlichen begründet durch den Wegfall der Risiken im Kontext der ehemaligen Beteiligung an der Landa Corporation Ltd. Die Gruppe der Innovationsrisiken ordnen wir insgesamt weiterhin der mittleren Risikogruppe zu.
Sonstige Risiken
Produktionsrisiken betreffen technische Störungen oder menschliches Versagen im Produktionsbereich, die zu Produktionsausfällen, Personen- und / oder Umweltschäden führen können. Unser Ziel ist es, durch den Betrieb von voneinander unabhängigen Produktionslinien die Folgen eines Maschinenausfalls auf die Wertschöpfungskette möglichst zu minimieren. Die Schulung in unseren klar definierten Prozess- und Qualitätsstandards ist für unsere Belegschaft in den jeweiligen Bereichen verpflichtend. Zudem schließen wir entsprechende Sachschaden- und Ausfallversicherungen ab. Die Gruppe der Produktionsrisiken zeigte sowohl einen weiteren leichten Rückgang der potenziellen Schadensumme als auch einen marginalen Rückgang bei der Eintrittswahrscheinlichkeit. Die Risikogruppe wird weiterhin den mittleren Risiken zugerechnet.
Informationstechnologien bilden die Basis nahezu aller Geschäfts- und Kommunikationsprozesse bei ALTANA. Auf Ausfälle oder Störungen von IT-Systemen können weitreichende Beeinträchtigungen in allen Wertschöpfungsstufen des Konzerns folgen, die wesentliche Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung haben können (IT-Risiken). Hinzu kommen mögliche Risiken aus dem Verlust von Daten oder der Entwendung von Geschäftsgeheimnissen. Der reibungslosen Verfügbarkeit von IT-Anwendungen und IT-Services misst ALTANA eine hohe Bedeutung bei. Um dies zu gewährleisten, sind entsprechende Prozesse und Organisationsstrukturen etabliert worden. Diese werden kontinuierlich der sich ändernden Risikolage und den neuen technologischen Möglichkeiten angepasst. ALTANA setzt hierbei zusätzlich zur eigenen internen Organisation und Kompetenz auf eine enge Zusammenarbeit mit führenden internationalen IT-Dienstleistern. Die Effektivität der Sicherheitsmaßnahmen wird durch interne und externe Audits regelmäßig überprüft. Für den Fall von wesentlichen Störungen oder Datenverlusten existieren Notfallpläne. Auch in den kommenden Jahren wird unser Fokus unverändert auf Sicherheits- und Schutzmaßnahmen liegen, die wir entsprechend dem Bedrohungsprofil weiterentwickeln.
Die Lieferung fehlerhafter Produkte kann Personen-, Sach- oder Umweltschäden hervorrufen und damit Haftungsrisiken auslösen. Dies kann wesentliche Auswirkungen auf die Vermögenslage des Konzerns haben. Wir minimieren dieses Risiko durch eine hohe Prozessstandardisierung in der Produktion und umfassende Maßnahmen der Qualitätskontrolle. Zusätzlich führen wir laufend Analysen zur Einschätzung des Gefährdungspotenzials unserer Einsatzstoffe und unserer Produkte durch und schließen Versicherungen ab.
Die Veränderung von politischen Rahmenbedingungen kann zu Beschränkungen für den Waren- oder Devisenverkehr führen. Auch kann infolge politischer Unruhen der Zugriff auf Vermögenswerte des Konzerns in betroffenen Ländern erschwert oder sogar verhindert werden. Regulatorische Veränderungen können dazu führen, dass bestimmte Produkte oder Inhaltsstoffe nicht mehr oder nur mit starken Einschränkungen verarbeitet oder vertrieben werden dürfen. Wir analysieren stetig das politische Umfeld in den für uns wesentlichen Ländern und berücksichtigen aktuelle Entwicklungen in der Bewertung von Geschäftsbeziehungen. Direktinvestitionen nehmen wir nur in solchen Ländern vor, in denen wir von einer hohen Stabilität des politischen Umfelds ausgehen. An für uns wesentlichen Gesetzgebungsverfahren und Diskussionen zu Änderungen im regulatorischen Umfeld beteiligen wir uns aktiv und können durch diese Beteiligung frühzeitig mögliche neue Anforderungen antizipieren.
Risiken im Bereich Regulatorik und EH&S (Environment, Health & Safety) steigen, bedingt durch einen im Vergleich zum Vorjahr marginalen Anstieg der Eintrittswahrscheinlichkeit und einen leichten Anstieg der potenziellen Schadenshöhe, in die Gruppe der mittleren Risiken auf. Dies ist im Wesentlichen durch Verschärfungen im Bereich internationaler Umweltschutzgesetzgebungen begründet.
Die Gruppe der politischen Risiken wird weiterhin der Gruppe der hohen Risiken zugeordnet. Hier stiegen sowohl die Eintrittswahrscheinlichkeit als auch die potenzielle Schadenshöhe gegenüber dem Vorjahr marginal an. Weiterhin wird in der Möglichkeit der Verschärfung von Handelskonflikten und der Anwendung von Strafzöllen zwischen den USA, China und der EU ein Treiber für eine Erhöhung des Risikopotenzials gesehen.
Die Risiken aufgrund von Naturkatastrophen, Pandemien und kriegerischen Auseinandersetzungen stiegen in der potenziellen Einschätzung marginal an und müssen weiterhin dem hohen Risikobereich zugeordnet werden. Während die Schadenshöhe insgesamt unverändert blieb, wurde die Eintrittswahrscheinlichkeit von Schäden durch Naturkatastrophen, die bedingt durch den Klimawandel auftreten können, geringfügig angehoben.
Risiken im Bereich der Logistik werden durch die gestiegene Zuverlässigkeit der Logistikketten weiterhin als geringes Risiko eingestuft. Sowohl die Eintrittswahrscheinlichkeit als auch die potenzielle Schadenshöhe der Risikogruppe nahmen im Vergleich zum Vorjahr weiter leicht ab.
Aus Verstößen gegen Gesetze (Compliance-Risiken) können Haftungsrisiken und Reputationsschäden entstehen, die eine wesentliche Auswirkung auf die Ertrags- und Vermögenslage des Konzerns haben können. Diesen Risiken wirken wir im Rahmen unseres Compliance Management-Systems entgegen, auch indem wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig über relevante gesetzliche Anforderungen informieren und schulen. Die potenzielle Schadenshöhe sank leicht im Vergleich zum Vorjahr, während die Eintrittswahrscheinlichkeit einen geringfügigen Anstieg zu verzeichnen hatte. Die Risikogruppe wird unverändert als mittleres Risiko klassifiziert.
Eine wichtige Basis für den langfristigen Erfolg sind kompetente und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sollten wir zukünftig nicht in der Lage sein, geeignete Fach- und Führungskräfte zu rekrutieren und zu halten, bestehen Risiken für die erfolgreiche Umsetzung unserer Strategie (Personalrisiken). Um diesen Risiken zu begegnen, bietet ALTANA ein ansprechendes Arbeitsumfeld und ein attraktives Vergütungssystem, ergänzt um vielfältige Programme zur Altersvorsorge und Vermögensbildung. Zudem bilden wir sowohl Nachwuchskräfte als auch Fach- und Führungskräfte regelmäßig weiter.
Ordnungsmäßigkeit der Konzernrechnungslegung
Wesentliche rechnungslegungsbezogene Risiken entstehen insbesondere durch die Verarbeitung außerordentlicher und nicht routinemäßiger Sachverhalte. Hierzu gehören unter anderem die erstmalige Einbeziehung von zugekauften Unternehmen oder Unternehmensteilen sowie die Abbildung des Verkaufs von Konzernvermögen. Auch die Bilanzierung von Finanzinstrumenten birgt aufgrund der komplexen Bewertungsstruktur Risiken. Hinzu kommen Risiken aus dolosen Handlungen.
Bei ALTANA wird die Konzernrechnungslegung durch eine eigene Fachabteilung innerhalb der Konzernholding koordiniert und überwacht. Kernbestandteile des Kontrollsystems sind die zentral durch diesen Bereich für alle Gesellschaften vorgegebenen Richtlinien, Prozessbeschreibungen und Terminvorgaben, die ein standardisiertes Vorgehen bei der Abschlusserstellung gewährleisten. Hinzu kommt, dass für komplexe Sachverhalte die erforderlichen Instrumente zur einheitlichen Bilanzierung zentral für alle Konzerngesellschaften vorgehalten werden. Im Rahmen der Erfassung außerordentlicher Vorgänge und komplexer Spezialthemen werden regelmäßig externe Gutachten, Beratungen und Stellungnahmen eingeholt.
Die Erstellung der Einzelabschlüsse der Konzerngesellschaften erfolgt dezentral durch die Buchhaltungen vor Ort. Die Abschlusserstellung unter Berücksichtigung der Konzernvorgaben sowie länderspezifischer Rechnungslegungsvorschriften liegt damit in der Verantwortung der einzelnen Gesellschaften.
Die zur Abschlusserstellung notwendigen Arbeitsschritte werden dabei so definiert, dass wichtige Prozesskontrollen integriert sind. Hierzu gehören Vorgaben zur Funktionstrennung und Aufteilung von Verantwortlichkeiten, zu Kontrollmechanismen und zu Zugriffsregelungen im IT-System. Die Richtigkeit und Vollständigkeit der Jahresabschlüsse wird durch die jeweilige Geschäftsführung explizit gegenüber der Konzernführung bestätigt. Wesentliche Abschlüsse werden zudem durch den jeweils zuständigen Abschlussprüfer oder Konzernabschlussprüfer einer Prüfung unterzogen.
Die lokalen Rechnungslegungsabschlüsse werden über standardisierte Formate und Prozesse in einem zentralen IT-System erfasst und konsolidiert. Auf der Ebene der Geschäftsbereiche und der Holding werden zahlreiche, sowohl manuelle als auch IT-gestützte, Kontrollmechanismen angewandt. Diese umfassen die Analyse und Plausibilitätsprüfung der gemeldeten Daten und der Konsolidierungsergebnisse, sowohl durch das Konzernrechnungswesen als auch durch den Bereich Controlling und andere Fachabteilungen. Notwendige Korrekturen von Abschlussdaten werden grundsätzlich auf Ebene der Einzelgesellschaft vorgenommen, um die Einheitlichkeit und Überleitung der Daten sicherzustellen.
Für die Abschlusserstellung relevante Sachverhalte, Prozesse und Kontrollsysteme werden durch die Abschluss- und Konzernabschlussprüfer geprüft. Der Wirtschaftsprüfer berichtet über die Prüfung direkt an den Aufsichtsrat und den Prüfungsausschuss. Hinzu kommen Prüfungen durch den zentralen Fachbereich Interne Revision.
Nach jedem Abschlussprozess werden die in den unterschiedlichen Bereichen erkannten Optimierungspotenziale analysiert und Anpassungen zur Verbesserung der Prozesse vorgenommen.
Chancen
Die Identifizierung und Bewertung von Chancen für die zukünftige Geschäftsentwicklung ist in die unterschiedlichen Planungs-, Analyse- und Steuerungsprozesse integriert.
Im Rahmen der strategischen Planung analysieren wir Nachfragetrends sowie Markt- und Technologieentwicklungen im Hinblick auf wertschaffende Handlungsoptionen für ALTANA. Zusätzlich befassen sich die Geschäftsbereiche laufend mit den Möglichkeiten zur Entwicklung neuer Absatzmärkte. Während der Finanzplanungsprozesse werden die Auswirkungen von Handlungsoptionen bewertet und diskutiert, um zukünftige Chancen optimal nutzen zu können. Schließlich werden mögliche Chancen für die kurzfristige Geschäftsentwicklung zusammen mit den bestehenden Risiken ausführlich auf allen Managementebenen behandelt.
Im Folgenden sind die wesentlichen Chancen beschrieben, die dazu führen können, dass ALTANA die kurz-, mittel- oder langfristigen Ziele übertrifft. Die Reihenfolge entspricht dabei der Einschätzung zu den Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung.
Konjunktur- und Branchenentwicklung
Sollte sich das wirtschaftliche Umfeld in den für ALTANA wichtigen etablierten und aufstrebenden Industrieregionen, insbesondere in Asien, Amerika und Europa, besser entwickeln als von uns prognostiziert, so kann dies zu unerwarteten Wachstumsimpulsen führen. In deren Folge kann sich auch die Nachfrage nach unseren Produkten und Dienstleistungen positiver entwickeln und die Prognosen übertreffen. Gleiches gilt für das Wachstum in den wichtigen Schwellenländern Asiens und Südamerikas. Sollte sich das Wachstum hier über die erwarteten Größen hinaus beschleunigen, sollten wir aufgrund unserer Marktpositionen davon profitieren können.
Neben der regionalen Ausprägung können Wachstumsimpulse auch aus einzelnen Branchen resultieren. Insbesondere eine positive Entwicklung des Automobilsektors, des Bausektors und ein Anstieg bei der Verwendung silberner und grauer Farbtöne im Konsumsektor kann zusätzliche Potenziale eröffnen.
Innovation
Die stetige Weiterentwicklung des Produkt- und Leistungsportfolios ist eine wichtige Voraussetzung, um langfristig unsere Strategie des profitablen und nachhaltigen Wachstums fortzusetzen. Sollte es ALTANA gelingen, die Innovationskraft schneller auszubauen und den Anteil an neuen Produkten mit einem hohen Nachfragepotenzial über das Zielniveau hinaus zu steigern, ergäben sich noch stärkere Wachstumsperspektiven. Weiterhin könnten Kunden schneller und in größerem Umfang als von uns erwartet innovative von uns hergestellte und vertriebene Produkte nachfragen. Das Gleiche gilt für den Eintritt in neue Märkte und das Eröffnen neuer Anwendungsfelder für unsere Produkte. Darüber hinaus könnte ein noch schnellerer und effektiverer Einsatz von Künstlicher Intelligenz über alle Prozesse hinweg zusätzliche Chancen für Wachstum und zur Effizienzsteigerung eröffnen, etwa durch erhöhte Innovationsgeschwindigkeit, optimierte Produktionssteuerung, vorausschauende Instandhaltung oder noch bessere datenbasierte Entscheidungsfindung.
Unternehmenszukäufe und Portfoliomaßnahmen
Akquisitionen spielen für ALTANA eine zentrale Rolle für die langfristige Wertschaffung. Bereits in den letzten Jahren haben wir den Konzern kontinuierlich über Zukäufe strategisch weiterentwickeln können und beabsichtigen, dies auch in den nächsten Jahren weiterzuführen.
Auch in Zukunft wollen wir durch den Zukauf von Unternehmen und Aktivitäten wachsen. Dies ist eine elementare Voraussetzung, um unsere strategischen Wachstumsziele zu erreichen. Sollten sich hierbei zukünftig über den Erwartungen liegende Möglichkeiten ergeben, kann uns dies dabei unterstützen, Marktpositionen zu stärken und neue Marktsegmente zu erschließen. Dies kann sich zusätzlich positiv auf das Erreichen unserer strategischen Ziele auswirken.
Synergien
ALTANA ist ein in hohem Maße dezentral geführter Konzern, in dem in einigen Bereichen der Wertschöpfungskette und in einzelnen Managementfunktionen zentrale Einheiten die Geschäftsbereiche koordinierend unterstützen oder gemeinsam genutzte Plattformen bereitstellen. In dem Maße, wie es uns gelingt, die Vernetzung innerhalb des Konzerns stärker als geplant voranzutreiben, können sich auch weitere Potenziale zur Effizienzsteigerung ergeben.
Gesamtaussage des Vorstands zur voraussichtlichen Entwicklung des Konzerns inklusive Gesamtbild zur Risiko- und ChancenlageFür das Jahr 2026 rechnet ALTANA mit einem moderaten globalen Wirtschaftswachstum auf dem Niveau des Vorjahres und einem Nachlassen des Inflationsdrucks. Die konjunkturellen Rahmenbedingungen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung bleiben jedoch vor dem Hintergrund anhaltender geopolitischer Krisen und Volatilitäten sowie angespannter Handelsbeziehungen herausfordernd. In diesem Umfeld prognostiziert ALTANA ein operatives Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich, im Wesentlichen resultierend aus einer sich weiter positiv entwickelnden Produktnachfrage. Die Ergebnisprofitabilität wird 2026 voraussichtlich noch nicht im langfristigen Zielkorridor von 18 % bis 20 % liegen. Dieses Niveau sollte aber in Abhängigkeit der achfrageentwicklung und durch intensives Kostenmanagement in den folgenden Jahren wieder erreicht werden. Für die absoluten und relativen unternehmenswertbezogenen Kennzahlen erwarten wir ebenfalls eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Risiken aus Belastungen aus geopolitischen Spannungen, möglichen neuen Handels- und Zollkonflikten sowie einer gegenüber unseren Erwartungen verschlechterten oder sogar rezessiven Entwicklung der Weltwirtschaft oder wichtiger Kernregionen schätzen wir als relevant ein. Darüber hinaus resultieren wesentliche Risiken für die kurzfristige Umsatz- und Ergebnisentwicklung aus einer höheren Preisvolatilität auf den Rohstoffmärkten, aus Wechselkursveränderungen wichtiger Währungen, mangelnder Verfügbarkeit von Rohstoffen sowie aus Produktionsrisiken und ertminderungen auf im Rahmen von Akquisitionen übernommene Immaterielle Vermögenswerte. Insgesamt haben wir keine Risiken festgestellt, die den Fortbestand des ALTANA Konzerns gefährden würden. Den Risiken stehen Chancen gegenüber, die zu einer über der skizzierten Prognose liegenden Umsatz- und Ergebnisentwicklung führen können. |
