ALTANA
  •            »UNTERNEHMEN MIT GRÖßERER DIVERSITÄT SIND
    OFT INNOVATIVER UND PROFITABLER«
    »WIR HABEN GROßES POTENZIAL.
    LASSEN SIE UNS NOCH MUTIGER SEIN!«
    Christian Berg, Geschäftsführer der
    AllBright-Stiftung in Deutschland

    Dr. Anette Brüne ,
     Leiterin Strategische
    Geschäftsentwicklung BYK-Chemie GmbH
                                                                                                                                                 

Diversity-Experte im Austausch mit Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsrat zur Förderung von Frauen in Führungspositionen 

Christian Berg ist Geschäftsführer der schwedischen AllBright-Stiftung in Deutschland, die sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft einsetzt. Zuvor war er etwa 20 Jahre Diplomat, davon fast zehn Jahre in der schwedischen Botschaft in Berlin.

Dr. Anette Brüne ist Leiterin Strategische Geschäftsentwicklung bei BYK und Mitglied des Aufsichtsrats der Konzernmutter ALTANA AG. Die promovierte Chemikerin ist seit 2003 bei ALTANA tätig.


Herr Berg, durch Ihre Tätigkeit bei der Stiftung kennen Sie die Gegebenheiten sowohl in Deutschland als auch in Schweden sehr gut. Warum gibt es in deutschen Unternehmen weniger Frauen als in schwedischen? 
Christian Berg: Die Gleichstellung hat in Schweden schon seit den 70er Jahren einen höheren Stellenwert als in Deutschland. Das hat viel mit dem engeren Arbeitsmarkt, aber auch mit gesetzlichen Gleichstellungsmaßnahmen zu tun. Die Folge? Die Geschlechterrollen, die wir hier in Deutschland kennen, sind in Schweden sehr schwach ausgeprägt. Außerdem gibt es in Schweden einen ökonomischen Veränderungsfaktor. Dort ist das Thema Diversität nicht auf die Frage Mann oder Frau verknappt, sondern auch eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit. Man möchte die besten Leute haben, und das heißt sowohl die besten Frauen als auch die besten Männer. 

Frau Dr. Brüne, Sie sind eine der Frauen im Führungsteam von ALTANA. Wo muss noch nachgelegt werden?
Dr. Anette Brüne: Weltweit haben wir den Anteil von Frauen in Führungspositionen auf gut 21 Prozent erhöht. Vor allem auf der Top-Ebene müssen wir unsere Anstrengungen noch intensivieren.

Woran liegt das?
Dr. Anette Brüne: Als Chemieunternehmen sind wir eher männlich dominiert. Darüber hinaus liegt der Frauenanteil in der ALTANA Gruppe insgesamt auch nur bei 30 Prozent. Wir müssen mehr Frauen einstellen, entwickeln und fördern, damit sie Führungspositionen übernehmen können. Außerdem reichen die vorhandenen Rollenvorbilder im Top-Management noch nicht aus. Das war und ist eine sehr homogene Gruppe, noch immer männlich dominiert, mit einem sehr ähnlichen Manager-Typus. Aber der Prozess des Kulturwandels ist angestoßen. Die Männer öffnen zunehmend ihre Kreise. Sie erkennen, dass es ein Gewinn ist, mit Frauen in gemischten Teams zu arbeiten. Viele von ihnen bringen sich auch als Mentoren aktiv in unser Mentoring-Programm für Frauen ein.

Liegt es wirklich nur an den Männern? 
Dr. Anette Brüne: Keineswegs. Die Frauen müssen auch Verantwortung übernehmen wollen und sich etwas zutrauen. Dazu muss man sie auch ermuntern – push und pull ist optimal.

Was ist dabei vielversprechender? Top-Down oder Bottom-Up? 
Dr. Anette Brüne: In vielen Unternehmen, auch in unserem, kann diese Veränderung nur Top-Down angestoßen werden. Das Top-Management muss eine Veränderung wollen. 

ALTANA will bis 2025 den Frauenanteil in Führungspositionen auf 30 Prozent erhöhen. Braucht es die Quote?
Dr. Anette Brüne: Ich persönlich war zunächst skeptisch. Ich dachte, dass es genügend gut ausgebildete Frauen gibt, die ihren Weg machen, wenn sie nur wollen. Aber dann sah ich, dass es kaum Fortschritte gab. Insofern glaube ich, dass die Quote zum Start dieser Veränderung und für diese Diskussion sehr hilfreich ist. 
Christian Berg: Das ist auch unsere Erfahrung. Es braucht einen gewissen Druck. Homogene Gruppen ändern sich nicht unbedingt freiwillig – selbst wenn es auch gute Denkweisen und auch männliche Personen gibt, die Vorreiter sind. Die Geschäftsführung muss involviert und engagiert sein. Frauen in Führungspositionen zu bringen muss Chefsache sein! Es braucht klar definierte Ziele, deren Erreichen auch kontrolliert werden muss.

Welche Vorteile haben Unternehmen, die ihre Strukturen ändern? 
Christian Berg: Unternehmen mit einer größeren Diversität in Führungspositionen, also mit mehr Frauen, verschiedenen Nationalitäten etc., sind laut Studien oft deutlich innovativer und profitabler. Wissen Sie, das typische Denken in homogenen Gruppen ist ein großer Nachteil. Denn wenn alle ähnlich denken, dann hinterfragt keiner etwas. Gerade aber das Infragestellen eröffnet Räume für neue Ideen und Ansätze und senkt gleichzeitig das Risiko von Fehlentscheidungen. Außerdem bieten Unternehmen so nicht nur Frauen, sondern überhaupt besonderen Talenten und auch Querdenkern ausreichend Raum für die Entwicklung. Diese zentralen Erfolgsfaktoren haben bereits viele große angelsächsische Investoren erkannt. Sind in der Führung keine gemischten Teams vorhanden, dann tätigen sie ungern Investitionen. Denn dann mögen heute Profitabilität und Innovationskraft hoch sein, aber die Zeichen stehen schlecht für die Zukunft. 

Was sind die vielversprechendsten Maßnahmen für ein naturwissenschaftlich getriebenes Unternehmen wie ALTANA, um die Vielfalt zu fördern?
Christian Berg: Der Unternehmenskultur kommt eine zentrale Rolle zu. ALTANA arbeitet ja intensiv daran. Wichtig ist dabei auch, dass die Männer nicht vergessen werden. Sie sollten motiviert werden, zum Beispiel ebenfalls Elternzeit zu nehmen oder flexible Arbeitszeitmodelle zu nutzen. Denn so können sich Mitarbeiter mit und ohne Kinder, auch junge und ältere Menschen, in einem Unternehmen willkommen fühlen und sich weiterentwickeln. 
Dr. Anette Brüne: Wir haben uns auf die veränderten Bedürfnisse der Mitarbeiter eingestellt. So haben wir die Vertrauensarbeitszeit eingeführt. An den größten Standorten von ALTANA in Deutschland gibt es mobiles Arbeiten, sprich Home-Office. Außerdem ermöglichen wir viele individuelle Teilzeitmodelle, zum Beispiel nach der Geburt eines Kindes. 

Was sind die nächsten Maßnahmen? 
Dr. Anette Brüne: Mobiles Arbeiten sollte auf die anderen Standorte ausgeweitet werden. Es gibt immer noch Bereiche, in denen stark auf die Präsenzzeit geschaut wird. Gleichzeitig arbeiten wir aber immer mehr in internationalen Projektteams, über Orte und Zeitzonen hinweg. Zukünftiger Erfolg bedeutet Veränderung im Denken und Handeln bei der Führung.

Wie sollte diese aussehen? 
Dr. Anette Brüne: Die Führung bei ALTANA sollte ergebnis- und lösungsorientiert sein. Der Führungsstil sollte kooperativ und motivierend sein, das heißt mit Vertrauen in die Mitarbeiter und mit Freiraum zum selbstständigen Arbeiten. Wir sind schon auf einem wirklich guten Weg, aber wir haben noch großes Potenzial. Lassen Sie uns noch mutiger sein! 



In Schweden ist das Thema Diversität nicht auf die Frage Mann oder Frau verknappt, sondern auch eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit. Man möchte die besten Leute haben, und das heißt sowohl die besten Frauen als auch die besten Männer.

MEHR FRAUEN IN DER FÜHRUNG
LEADING WOMAN @ ALTANA

 

ALTANA strebt eine größere Vielfalt in TopFührungspositionen an. Im Rahmen der Initiative „LEADING WOMEN @ Altana“ beispielsweise soll mit Programmen wie „Mentoring für Frauen“ der Anteil der Frauen im Top-Management verbessert werden.

 

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