ALTANA

ALTANA erwartet 2010 und in Folgejahren deutliches Wachstum

Interview mit Dr. Matthias L. Wolfgruber

FRANKFURT (Dow Jones)--Der Spezialchemiekonzern ALTANA erwartet 2010 und in den Folgejahren wieder deutliches Wachstum. "Zu den früheren Wachstumsraten, die bis 2007 erzielt wurden, wollen wir 2010 und in den Folgejahren wieder zurückkehren", sagte Vorstandsvorsitzender Matthias Wolfgruber im Interview mit Dow Jones Newswires. "Das heißt aber nicht, dass wir 2010 schon wieder auf dem Absatz- und Umsatzniveau wie in den Vorjahren liegen werden", erklärte der Manager. In den ersten neun Monaten 2009 hatte der Konzern noch einen Umsatzrückgang um 18% gegenüber dem Vorjahr hinnehmen müssen.

Das langfristige EBITDA-Margenziel von 18% bis 20% hält Wolfgruber mittelfristig ebenfalls wieder für erreichbar. Bis letztes Jahr sei dieser Korridor immer erreicht worden, erklärte der Manager. In den ersten neun Monaten 2009 hatte die Marge bei 16% gelegen. "Ich denke schon, dass wir zwei bis drei Jahre brauchen, bis wir wieder nachhaltig innerhalb dieses Korridors liegen werden", sagte er.

"Im vierten Quartal werden wir gegenüber dem Vorjahr weiter aufholen", kündigte Wolfgruber an. Das vierte Quartal werde aber wie in jedem Jahr saisonal bedingt schwächer ausfallen als das dritte Quartal 2009, dämpfte der Manager die Erwartungen.

Vor dem Hintergrund der erwarteten stärkeren Nachfrage im kommenden Jahr rechnet Wolfgruber 2010 mit einem Kostenanstieg. Im laufenden Jahr sollen noch insgesamt 55 Mio EUR eingespart werden, 47 Mio EUR davon sind bereits nach neun Monaten erreicht worden. Es sei jedoch nur ein Teil der Einsparungen nachhaltig, sagte Wolfgruber. So seien beispielsweise Maßnahmen zur Arbeitszeitflexibilisierung ausgelaufen. "Aus heutiger Sicht gehe ich davon aus, dass wir im kommenden Jahr keine oder nur in geringem Umfang Kurzarbeit einsetzen werden", sagte er.

2010 rechnet der Manager unter anderem auch wieder mit steigenden Lohn- und Gehaltssummen. Bei Geschäftsreisen, Messebesuchen und Instandhaltung habe das Unternehmen in diesem Jahr Zurückhaltung geübt. "Im kommenden Jahr werden wir hier sukzessive wieder zum Normalbetrieb übergehen", kündigte Wolfgruber an. "Wir werden aber insgesamt den Kostenanstieg unter dem Umsatzanstieg halten", sagte er.

Bei den Investitionen will Wolfgruber 2010 wieder an das frühere Niveau anknüpfen. "Ich denke, wir gehen aus heutiger Sicht auf das für uns übliche Niveau zurück, nämlich auf 5% bis 6% vom Umsatz", sagte er. Dies sei bei ALTANA ausreichend, um ein starkes organisches Wachstum zu begleiten und den Anlagenbestand zu erneuern und aufrechtzuerhalten. In diesem Jahr werde ALTANA Investitionen etwa auf der Höhe der Abschreibungen auf das Anlagevermögen tätigen, 2010 wolle das Unternehmen mehr als die Abschreibungen investieren, kündigte er an.

Im von Absatzrückgängen gebeutelten Jahr 2009 habe das Unternehmen alle Projekte gestreckt, die darauf ausgelegt waren, die Kapazitäten auszubauen. "Diese Projekte werden jetzt wieder angeschoben", sagte Wolfgruber. So soll beispielsweise eine Produktionsanlage in den USA für Additive gebaut werden und ein Beschichtungszentrum für Pigmente in Güntersthal. In Indien und China soll das Geschäft in der Sparte Electrical Insulation weiter ausgebaut werden.

Nach den Erfahrungen in der Wirtschaftskrise will das Unternehmen künftig in den verbrauchernahen Kundenbereichen noch stärker werden. "In der Krise war erkennbar, dass Geschäfte, die in Bereiche liefen, die Güter des täglichen Konsums berührten, weniger betroffen waren als Investitionsgüter", sagte Wolfgruber. Beispielsweise seien Produkte, die an die Verpackungs- oder die grafische Industrie geliefert wurden, weniger stark von der Krise getroffen. "Die Logik ist, dass wir die Geschäfte stärken wollen, die näher am Endverbraucher sitzen oder für Güter des täglichen Gebrauchs nötig sind, kündigte der Manager an.

"Wir werden uns mit Sicherheit aber nicht aus Automobil-, Bau oder Elektro zurückziehen, denn das sind für uns unverändert interessante und wichtige Märkte", sagte er. In diesen Märkten müsse man sich jedoch immer wieder auf Konjunkturzyklen einstellen. Dass die Strategie von ALTANA richtig sei, belege aber, dass das Unternehmen trotz der schweren Krise in keinem Quartal Verluste geschrieben habe.

Optimierungsbedarf in den Geschäftsbereichen sieht Wolfgruber nur marginal. Die Krise allein sei kein Auslöser für solche Entscheidungen, sagte er. Alle Geschäfte würden jedoch regelmäßig auf den Prüfstand gestellt. Es könne daher immer wieder kleinere Randaktivitäten geben von denen man sich trenne. Im Vordergrund stehe aber eher der Ausbau und der Zukauf, sagte er.

Die Idee, die vier Geschäftsbereiche um ein fünftes Standbein zu ergänzen, hat Wolfgruber noch nicht aufgegeben. "Das gilt weiter, unsere Strategie hat sich nicht geändert. Wir sind nach wie vor auf der Suche nach einem geeigneten Ausbau unseres Portfolios im Rahmen einer fünften Division", sagte er. Solche Dinge könne man jedoch nicht entscheiden und dann umsetzen, denn es gehörten immer zwei dazu. "Es ist ganz klar ein Thema, mit dem wir uns beschäftigen, aber es ist nie vorherzusehen, wann so etwas passieren wird", ergänzte er. Kleinere und arrondierende Akquisitionen seien ebenfalls weiter in der Planung.

An dem Anfang Januar aus dem MDAX ausgeschiedenen Spezialchemiekonzern mit Sitz in Wesel ist die Quandt-Erbin Susanne Klatten über ihre Beteiligungsgesellschaft Skion nach letzten Meldungen mit 91,7% beteiligt. Skion strebt den Sqeeze-out der Minderheitsaktionäre an und hatte diesen zuletzt ein verbessertes Übernahmeangebot von 14 EUR je Aktie unterbreitet, das noch bis zum 14. Dezember läuft. Der ALTANA-Vorstand und Aufsichtsrat hatte die Annahme des Angebots empfohlen. "Den größten Vorteil für ALTANA sehe ich in der Stabilität und der langfristigen Orientierung unserer Großaktionärin", sagte Wolfgruber.