ALTANA

ALTANA will das hohe Wachstumstempo halten

Artikel Frankfurter Allgemeine Zeitung

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2008, Nr. 49, S. 14

ALTANA will das hohe Wachstumstempo halten
Der Spezialchemiekonzern scheut sich nicht vor größeren Akquisitionen

B.K. DÜSSELDORF, 26. Februar. Bei dem Chemiespezialisten ALTANA AG aus Wesel stehen die Zeichen ganz auf Expansion. Auch wirklich große Akquisition, die über die üblichen kleineren Zukäufe zur Arrondierung oder regionalen Erweiterung der bestehenden Geschäfte hinausgehen würde, schließt Matthias Wolfgruber nicht aus. Wie der Vorstandsvorsitzende des nach der Abspaltung der Pharmasparte ausschließlich auf die Spezialchemie konzentrierten Unternehmens im Gespräch mit dieser Zeitung sagt, besitzt das Unternehmen den nötigen finanziellen Spielraum, einen mehr als eine Milliarde Euro schweren Zukauf zu stemmen. Zu den möglichen Optionen gehört auch der Einstieg in ein völlig neues Geschäft, das die vorhandenen vier Unternehmenssäulen um eine weitere ergänzen könnte.

Allerdings verweist Wolfgruber auf die sehr strengen Investitionskriterien seines Hauses: "Es kommen nur Spezialitätengeschäfte in wachstumsstarken Nischenmärkten in Frage, in denen ALTANA die Chance auf Marktführerschaft hat." Auch muss ein Neuzugang spätestens im zweiten Folgejahr positiv zum Ergebnis beitragen. Eine Verwässerung der robusten Ergebnissituation darf jedenfalls nicht eintreten.

Ein gutes Beispiel liefert nach seinen Worten die bisher größte Akquisition in der Firmengeschichte: Im Jahr 2005 hatte ALTANA mit dem damals 630 Millionen Euro teuren Erwerb des Fürther Pigmentspezialisten Eckart einen kräftigen Wachstumssprung gemacht und sich in einem neuen Geschäftsfeld zum Weltmarktführer aufgeschwungen. Diesen Zukauf im Volumen zu übertreffen, traut man sich in Wesel ohne weiteres zu. "Wir haben nicht nur die Mittel dazu, sondern auch die Kompetenz und die Leute." Doch auch ohne größere Zukäufe wird ALTANA nach Wolfgrubers Plänen die Wachstumsdynamik der vergangenen Jahre weiter aufrecheterhalten. Mittelfristig werde der Konzernumsatz deutlich über dem derzeitigen Niveau von rund 1,4 Milliarden Euro liegen, und zwar unter Beibehaltung einer überdurchschnittlichen Ertragskraft, verspricht er. "6 plus 4 plus x", lautet seine Formel. Im mehrjährigen Mittel soll das organische Wachstum 6 Prozent ausmachen und der durch Zukäufe erzielte Zuwachs 4 Prozent. Hinzu käme die mögliche Großakquisition.

"Wir wollen nicht wachsen um der schieren Größe willen", schränkt er aber mit dem Hinweis darauf ein, dass ALTANA in dreieinhalb seiner vier Geschäftsfelder ohnehin Weltmarktführer ist, so beispielsweise bei Farbadditiven, Effekt-Pigmenten oder Elektrodraht-Ummantelungen. "Aber gewisse Skaleneffekte würden schon helfen, als Arbeitgeber vor allem international noch attraktiver zu sein", stellt der promovierte Chemiker fest.

Mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr zeigt sich Wolfgruber sehr zufrieden. "Die Neupositionierung der ALTANA und die Verlegung der Holding-Zentrale ist sehr effizient und geräuschlos verlaufen", blickt er zurück. Auch sei es in der Kommunikation mit dem Kapitalmarkt gelungen, das vom Börsensegment Dax in den Nebenwerteindex M-Dax übergewechselte Unternehmen nicht mehr als Konglomerat, sondern als reinen Spezialchemie-Konzern zu positionieren. Mit dem auf großen Werbeplakaten zu lesenden Spruch "Kunst kommt aus Kassel, Computer aus Kalifornien und Spezialchemie aus Wesel" bekennt sich das Unternehmen zudem ausdrücklich zum neuen Firmensitz.

Doch auch wirtschaftlich war 2007 ein "bombenstarkes Jahr", wie Wolfgruber sagt. Bei einem sowohl im Inland als auch im internationalen Geschäft erzielten Umsatzplus von bereinigt 9 Prozent schaffte ALTANA beim operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und allen Abschreibungen (Ebitda) einen überdurchschnittlichen Sprung von 33 Prozent (F.A.Z. vom 1. Februar).

Für das laufende Jahr erwartet er nach wie vor robuste Absatzmärkte, wenngleich sich die Chemiekonjunktur leicht abschwächen dürfte. Der mit seinen Spezialitäten kaum von den Chemiezyklen abhängige Konzern sieht derzeit das größte Wachstum in Asien, gefolgt von Europa und Amerika. Nach bisherigen Prognosen soll der Umsatz in diesem Jahr währungs- und akquisitionsbereinigt im einstelligen Prozentbereich zulegen. Eine Konkretisierung seines Ausblicks kündigt Wolfgruber für die Bilanzpressekonferenz Mitte März an.

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