Energieeffizienz

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) lässt sich der weltweite Energieverbrauch durch verbesserte Energieeffizienz von Gebäuden, Verkehr und Industrie bis 2050 um 17 bis 33 Prozent senken. In Deutschland könnte laut einer Studie der Deutschen Unternehmensinitiative für Energieeffizienz (DENEFF) der jährliche Stromverbrauch durch Effizienzmaßnahmen bis 2020 um mehr als 68 Milliarden Kilowattstunden reduziert werden. Das entspräche ungefähr der Leistung von zehn Kernkraftwerken.

An vielen Standorten von ALTANA sind zahlreiche größere und kleinere Maßnahmen zur Effizienzsteigerung durchgeführt worden. Bei ELANTAS Beck beispielsweise konnte der Erdgasverbrauch einer thermischen Nachverbrennung (TNV) samt Dampferzeuger reduziert werden. Deren Feuerungswärmeleistung beträgt maximal 2,1 Megawatt (TNV) bzw. 3,5 Megawatt (Dampferzeuger). Ein zeitlich wie quantitativ schwankender Wärmebedarf in der Produktion sorgt jedoch für einen vergleichsweise schlechten Wirkungsgrad der TNV. Um die Abwärme deutlich gleichmäßiger und damit besser nutzen zu können, wurde in die TNV ein Wärmetauscher eingebaut, der mit dem Dampferzeuger verbunden ist. Automatisch schließende Klappen in den Abluftleitungen der Objektabsaugung verhindern zudem unnötige Verbrennungsluftzufuhr bei abgeschalteter Produktion am Wochenende. Damit ist der Erdgasverbrauch des Dampferzeugers um durchschnittlich 45 Prozent, der der TNV um durchschnittlich 25 Prozent gesunken. Die Kosten für den Umbau betrugen 15.000 Euro, die Einsparung liegt dagegen bei 80.000 Euro pro Jahr.

Ein Wärmetauscher wurde auch bei ELANTAS Zhuhai in die Heizung für Wärmeträgeröl eingebaut und kühlt die Abgase von 330 auf ca. 120 ° C herunter. Die Abwärme erhitzt gleichzeitig Wasser für den Sanitärbereich, was bisher mit Strom geschah. Ein Heizkessel am Standort wurde für den Betrieb mit Erdgas modernisiert. Derzeit wird noch mit Heizöl gefeuert, eine Erdgasleitung zum Werk ist jedoch geplant. Mit Erdgasbetrieb könnten die CO2-Emissionen um über 20 Prozent sinken. Zur weiteren Energieeinsparung trägt auch die automatische Steuerung eines Kühlturmventilators bei, der sich abhängig von der Temperatur des Kühlwassers bei Nichtbedarf automatisch abschaltet. Bei BYK USA wurden bis Ende 2009 über 90.000 Euro in eine modernere Beleuchtung investiert (inklusive knapp 30.000 Euro Förderung). Die Energiekostenersparnis beträgt ca. 24.000 Euro pro Jahr. Der Stromverbrauch sank bruttowertschöpfungs-bezogen um 17 Prozent, obwohl zusätzlich ein Fertigwarenlager in Betrieb genommen wurde. Ebenfalls bei BYK USA wie auch bei ELANTAS PDG in St. Louis wurden alte Heizkessel zur Dampferzeugung bzw. Thermalölerwärmung durch effizientere Kessel ersetzt. ELANTAS baute zusätzlich noch einen Wärmetauscher ein und steigerte durch die etwa 285.000 Euro teure Investition die Energieeffizienz auf etwa 95 Prozent. Die Einsparung beträgt rund 600.000 kWh Erdgas pro Jahr. Unterstützt wurde die Maßnahme vom örtlichen Gasversorger mit einer Rabattrückzahlung über rund 10.000 Euro

Kleine und große Maßnahmen des Energiemanagers

Bei ECKART in Güntersthal ließ der werkseigene Energiemanager Siegfried Kreuzer 2010 verschiedene Optimierungsmaßnahmen durchführen: Die Abwärme von drei Kompressoren wird jetzt zum Heizen genutzt, das Druckniveau von Druckluftsystemen wurde teilweise reduziert, zwei größere Druckluftleckagen wurden behoben sowie ein Wärmetauscher zur Rückspeisung von Destillationswärme wurde optimiert. Durch sämtliche Maßnahmen werden jährlich ca. 85.000 Euro bzw. 450 Tonnen CO2-Emissionen eingespart.

Daneben wurden noch Konzepte für größere Projekte entwickelt, auf Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit hin untersucht und das CO2-Reduktionspotenzial wurde bewertet. Allerdings müssen diese Optionen sinnvoll aufeinander abgestimmt und zu einem Gesamtkonzept zusammengeführt werden. Zu den Optionen zählen die Gebäudeheizung mit Holzschnitzeln oder -pellets, eine höhere Vermahlungstemperatur mit Niedertemperaturgebäudebeheizung (z. B. für Fußbodenheizung) durch Kühlwasser sowie die Nutzung von Kühlwasser durch Wärmepumpen und Nahwärmenetz. Auch der Einsatz regenerativer Energiequellen wird derzeit auf Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit geprüft. Dazu gehört neben Photovoltaik vor allem Strom aus Windkraft.

Energiemanager Kreuzer hat zudem an den anderen Standorten von ECKART jeweils fünftägige Energieaudits durchgeführt. Er identifizierte dabei mehrere Reduktionspotenziale: Eine Dampfsystemoptimierung, um Energieverluste zu reduzieren, der Einsatz energieeffizienter Kompressoren samt Abwärmenutzung, Luft-Luft- und Abwasserwärmetauscher, die Abwärmenutzung von Atomizern bzw. Calcinieröfen zur Reduktion des Heizbedarfs sowie die Gebäudeisolierung oder Gebäudeheizung mit Kompressorabwärme. Insgesamt ergab sich ein Einsparpotenzial für ca. 1.500 Tonnen CO2-Emissionen.

Erneuerbare Energien auf dem Prüfstand

Ein weiteres Projekt zu erneuerbaren Energien wurde bei ELANTAS Deatech in Ascoli in Betrieb genommen. Eine Photovoltaikanlage bedeckt dort seit 2009 eine Dachfläche von 6.500 Quadratmetern (m2) und besteht aus knapp 5.000 Solarpaneelen mit einer Spitzenleistung von 785 Kilowatt (kWp). Die Anlage soll mindestens eine Million Kilowattstunden pro Jahr erzeugen und ein Fünftel des derzeitigen Strombedarfs des Werks decken. Das Ziel der Anlage für 4,7 Millionen Euro war, nicht nur die Stromkosten zu senken, sondern auch die Umweltschutzziele von ALTANA zu erfüllen helfen. 2010 war das erste Jahr, in dem die Anlage vollständig lief. Sie produzierte 948.000 kWh Strom (fünf Prozent weniger als erwartet) und sparte damit ca. 377 Tonnen CO2-Emissionen bezogen auf den italienischen Strommix.

Energieeffiziente Neubauten

Seit Anfang 2010 wird am Standort Wesel ein neues Forschungslabor gebaut. Ende 2011 ziehen in das dreistöckige Gebäude mit rund 5.600 m2 Nutzfläche für bis zu 130 Mitarbeiter die Bereiche Kunststoff, Biotechnologie, industrielle Anwendungen, Forschung und Entwicklung sowie Analytik ein. Für die Investitionssumme von 18 Millionen Euro gibt es neueste Labortechnologie und ein energieoptimiertes Gebäudekonzept mit ausgezeichneter Ökobilanz. Der gesamte Energieverbrauch wird etwa 30 bis 40 Prozent geringer sein als in einem bestehenden Standardlabor. So erfolgt beispielsweise die Versorgung der Heizung bzw. Kühlung zu 60 Prozent über Wärmepumpen und Grundwasser. Der Neubau bietet gute Voraussetzung für ein LEED-Zertifikat. LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) des amerikanischen Green Building Council definiert eine Reihe von Standards für nachhaltiges Bauen.