ALTANA

Sicherheit ist gleichbedeutend mit hohem Aufwand und engen Vorgaben? Nicht unbedingt, wie ein neues Verfahren der kontinuierlichen Mischtechnologie zeigt. ACTEGA Terra setzt es am Standort Lehrte ein. Mit ihm lassen sich selbst kritische Stoffe unkompliziert und sicher verarbeiten. Mehr noch: Es ermöglicht unternehmerische Flexibilität, denn die kompakte Anlage lässt sich leicht auf- und abbauen. Insgesamt macht das Verfahren die Chemieproduktion frei von der Chargenfertigung, unabhängig vom Schichtbetrieb und wenn nötig: mobil.

DIE BEHERRSCHUNG VON RISIKEN ERFORDERT NICHT IMMER HOHE INVESTITIONEN. MIT INNOVATIVEN VERFAHREN LÄSST SICH DIE SICHERHEIT AUCH OHNE VIEL AUFWAND VERBESSERN. DAS ZEIGT DAS BEISPIEL ACTEGA.

Kontinuierliche Prozesstechnologie
Wer Magazine, Fotobücher und Spielkarten drucken will, benötigt Hochglanzlacke, die im Handumdrehen trocknen. Mit den TerraGloss UV-Lacken von ACTEGA Terra ist das machbar. Sie härten in Sekundenbruchteilen unter UV-Licht aus. Möglich macht das ein Rohstoff, den das Unternehmen seit kurzem selbst veredelt.

Dazu setzt ACTEGA Terra ein innovatives Verfahren ein, das bislang in der Chemieindustrie kaum genutzt wird: die kontinuierliche Mischtechnologie mit Hilfe einer sogenannten Reaktionsmischpumpe. Das Verfahren bietet viele Vorteile. Dazu zählen die vergleichsweise niedrigen Investitionskosten sowie ein geringerer Energieverbrauch.

Hinzu kommt ein Plus an Sicherheit. „Mit der Reaktionsmischpumpe lassen sich selbst kritische Stoffe gefahrlos verarbeiten“, weiß Projektmanager Dr. Daniel Kopetzki. Er betreut die neue Prozesstechnologie im Forschungs- und Entwicklungsteam des Unternehmens. Auch BYK hat inzwischen damit begonnen, das Verfahren für die Verarbeitung besonders reaktiver Stoffe zu nutzen – mit Erfolg.

Größere Flexibilität
Die Reaktionsmischpumpe steht im Zentrum des neuen Verfahrens. Sie ist klein, kompakt und ausgesprochen variabel. Dadurch macht sie die Chemieproduktion flexibler. Denn erstens eignet sich die Pumpe je nach Wahl der chemischen Gruppen für unterschiedliche Reaktionstypen. Zweitens ist ihr Aufbau so unkompliziert, dass sie sich leicht ab- und an einem anderen Standort wieder neu montieren lässt.

Produktion rund um die Uhr
Entscheidend für die Sicherheit: Die Reaktionen laufen automatisiert in einem hermetisch verschlossenen Behälter ab, in den die benötigten Stoffe direkt aus den Lagerbehältern eingeleitet werden. Es gibt also keinerlei Kontakt der Mitarbeiter mit den Chemikalien. Im Gegensatz zu der herkömmlichen Chargenproduktion in speziellen Mischbehältern erfordert das Verfahren auch für die Prozess- oder Qualitätskontrolle keine manuellen Eingriffe. Damit kann die Reaktionsmischpumpe unabhängig vom Schichtbetrieb kontinuierlich rund um die Uhr produzieren, auch am Wochenende.

Ein weiterer beträchtlicher Vorteil der kontinuierlichen Prozesstechnologie gegenüber der traditionellen Chargenproduktion: „Die Produktqualität unterliegt keinerlei Schwankungen, vorausgesetzt, Rohstoffzufuhr und Abfüllung sind automatisch sichergestellt“, fasst Dr. Kopetzki zusammen. „Darauf können sich unsere Kunden verlassen.“

Ein einziges Manko gibt es. Das Verfahren lässt sich nicht bei länger andauernden Reaktionszeiten einsetzen. „Es ist speziell für extrem schnelle beziehungsweise für Reaktionen von maximal 30 Minuten ausgelegt“, so Dr. Kopetzki.

Derzeit veredelt ACTEGA Terra mit dieser Produktionsanlage pro Jahr 25 Tonnen eines Rohstoffs zu einem Produkt, das in UV-härtenden Lacken eingesetzt wird. Damit sind die Kapazitäten aber bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Die Anlage kann bis zu 100 Tonnen produzieren.

Mit Hilfe einer zweiten Anlage im Labor testet das Unternehmen daher weitere Einsatzmöglichkeiten. „Das innovative Verfahren eignet sich auch für viele Produkte unseres Schwesterunternehmens in den USA“, weiß der Projektmanager. Denn ACTEGA North America stellt ebenfalls UV-härtende Lacke für die grafische Industrie her. Insgesamt komme die Methode etwa für mindestens ein Viertel aller Produkte in Frage, schätzt Dr. Kopetzki. Dies gelte übrigens nicht nur für ACTEGA, sondern für ALTANA insgesamt.

Vor seiner Tätigkeit bei ACTEGA Terra forschte Dr. Daniel Kopetzki am Max-Planck-Institut in Berlin, wo er auch promovierte.

„Je vielfältiger die Kundenanforderungen sind, desto vielseitiger müssen auch die Produktionsverfahren werden“, das steht für den Projektmanager fest. Sicherheit steht dabei an erster Stelle.