
Dr. Gerald Kirchner im Interview
„Die Veranstaltungen passen gut ins Gesamtkonzept“
Herr Dr. Kirchner, wie weit ist die Implementierung von REACH bei BYK fortgeschritten? Was konnte in den Jahren 2009 und 2010 erreicht werden?
In den Jahren 2009 und 2010 wurden zwei Wirkstoffe erfolgreich registriert. Dabei wur- den die erforderlichen toxikologischen und ökotoxikologischen Daten in einem exter- nen Institut erhoben und in einem Dossier zusammengefasst. Die Hinterlegung erfolgte bei der Europäischen Chemikalienagentur (EChA) in Helsinki. Alle Wirkstoffe, die die Kriterien für sogenannte isolierte transpor- tierte Zwischenprodukte erfüllen, wurden ebenfalls registriert. Für fünf weitere Wirk- stoffe liegen bereits die Ergebnisse der vor- geschriebenen Studien vor, sodass im Laufe dieses Jahres weitere Registrierungsdossiers erstellt und eingereicht werden können. In diesem Jahr werden drei weitere Registrie- rungsprojekte gestartet; in den weiteren Jahren sollen pro Jahr drei bis fünf Wirk- stoffe bearbeitet werden. Bis zum Jahr 2016 sollen dann alle registrierpflichtigen Wirk- stoffe eingereicht worden sein.
Können Sie in diesem Zusammenhang kurz die von BYK durchgeführten Kundenseminare und Downstream User Days näher erläutern?
In zahlreichen Kundengesprächen konnten wir feststellen, dass das Wissen und vor allem die Kenntnisse über die Verpflichtungen aus der REACH-Verordnung bei nachfolgenden Anwendern nicht ausreichend vorhanden war. BYK hat aus diesem Grund das Angebot ent- wickelt, in sogenannten „BYK Downstream User Days“ diese Lücken bei unseren Kunden zu schließen. Die Inhalte sind auf die Bedürf- nisse der nachfolgenden Anwender fokus- siert. Dabei werden vor allem die Verpflich- tungen und Maßnahmen aus der REACH- Verordnung in Form von Vorträgen erläutert. Durch praktische Beispiele und Diskussionen werden diese Inhalte entsprechend vertieft.
Insgesamt wurden in den letzten zwei Jahren sechs solcher Seminare mit insgesamt ca. 250 Teilnehmern aus vornehmlich europäischen Ländern abgehalten. Die Veranstaltungsorte waren in Deutschland, Frankreich, Italien und in der Schweiz. Bei Bedarf werden weitere Seminare auch zukünftig durchgeführt.
Wie fiel die Kundenresonanz aus und welchen Stellenwert messen Sie diesen beiden Veranstaltungsarten bei?
Die Rückmeldungen der Kunden waren durchweg sehr positiv. Dabei wurde der auf die nachfolgenden Anwender gelegte Fo- kus besonders hervorgehoben. Ebenso fand die Dokumentation mit den „ready to use“- Formularen und Checklisten viel Anklang. Diese Veranstaltungsreihe passt gut in das Gesamtkonzept der Serviceleistungen. Bei BYK und bei ALTANA insgesamt erhält man nicht nur das Produkt, sondern auch den passenden Service dazu.
Welchen neuen Herausforderungen wird sich BYK in den nächsten Jahren durch REACH stellen müssen?
Es gibt drei große Themenblöcke:
1. Registrierung von neuen bzw. impor- tierten Stoffen,
2. Verpflichtungen für nachfolgende An- wender (Downstream User) und
3. Verfügbarkeit von Rohstoffen.
Bei Punkt 1 ist intern schon vieles abgear- beitet worden, wie z. B. die Identifizierung der betroffenen Stoffe und die Auswahl der erforderlichen Prüfungen. Zukünftig geht es hier um die Durchführung der Unter- suchungen und die Erstellung der Dossiers. Im Rahmen von Punkt 2 müssen praktisch alle Sicherheitsdatenblätter überarbeitet und den aktuellen Anforderungen angepasst werden. Dies erfordert eine strukturierte Kommunikation entlang der Lieferkette und hohe Fachkenntnisse im Umgang mit toxikologischen und ökotoxikologischen Daten. Und zu Punkt 3 hat BYK alle kriti- schen Rohstoffe identifiziert und Kontakte zu den Lieferanten aufgenommen. Dies ist deshalb notwendig, damit frühzeitig Einstufungsänderungen oder Produktions- verlagerungen bzw. -einstellungen erkannt und rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen werden können.
