ALTANA

Gesellschaftliches Engagement

ALTANA unterstützt und fördert als „Good Corporate Citizen“ gesellschaftliche Projekte mit dem Schwerpunkt Bildung, Wissenschaft und Forschung. Dabei berücksichtigen wir zur Stärkung unseres lokalen Umfelds und im Sinne guter Nachbarschaft besonders Initiativen in der Nähe unserer Standorte.

Deutschunterricht von Anfang an 
„Wir dürfen nicht nur zuschauen, sondern müssen selbst etwas tun.“ So lautete der Entschluss des ALTANA Vorstands, als im Spätsommer 2015 eine Welle von Flüchtlingen in Deutschland ankam und auch im Unternehmen die Diskussion darüber begann, wie Integration gelingen könnte. Der Schlüssel, darin waren sich die Verantwortlichen bei ALTANA einig, liegt in der deutschen Sprache. Nur damit kommt man ins Gespräch und kann auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen.

Über „Aktion Deutschland Hilft e.V.“, das Bündnis deutscher Hilfsorganisationen, schrieb ALTANA eine Projektförderung in Höhe von einer Viertelmillion Euro aus. Deren Mitgliedsorganisationen waren eingeladen, Vorschläge für geeignete Sprachprogramme einzureichen. Am Ende überzeugten die Malteser Werke mit ihrem innovativen Konzept „Deutschunterricht von Anfang an“. Sie punkteten außerdem mit ihren Erfahrungen bei der Integration von Flüchtlingen. Bereits im Januar 2016 startete der Deutschunterricht für die ersten 100 Schüler in der Malteser-Einrichtung im nordrhein-westfälischen Hamm.

Die Malteser Werke betreuen im Auftrag der Länder bundesweit zehn zentrale Unterbringungseinrichtungen für Flüchtlinge. Die Menschen leben dort in der Regel bis zu sechs Monate nach ihrer Registrierung, bis sie nach erfolgtem Asylbescheid in die Kommunen vermittelt werden. Erst dann ist es faktisch oft erst möglich, an einem Deutschkurs teilzunehmen. Verlorene Zeit also für die Menschen, die häufig vor allem aus Warten besteht.

„Kern unseres Konzepts ist es, den Deutschunterricht ab dem ersten Tag in Deutschland anzubieten“, erklärt Anja Müller, die Leiterin des Projekts bei den Malteser Werken. „Für viele Menschen ist es die erste Frage, die sie bei ihrer Ankunft stellen: ‚Können wir hier Deutsch lernen?‘“

Die Spende von ALTANA kam also genau zum richtigen Zeitpunkt. Das Unternehmen finanziert zunächst ein Jahr lang qualifizierte Deutschlehrer in sechs Malteser-Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen sowie in der Stadt Voerde, in der Nachbarschaft zum Firmensitz in Wesel. Das Geld wird zudem für die Ausstattung der Unterrichtsräume, die Erstellung des Unterrichtsmaterials und die wissenschaftliche Evaluation des Pilotprojekts verwendet.

Innovatives Konzept
Anja Müller und ihr Team mussten mit vielen Variablen planen: Ihre Schülerschaft stammt nicht nur aus unterschiedlichen Ländern und verfügt über unterschiedliche Vorbildung. Auch bleibt offen, wie lange sie in der Einrichtung und damit im Unterricht sein können. Vor diesem Hintergrund entwickelten die Malteser etwas völlig Neues: Der Unterricht wird in Modulen mit steigendem Schwierigkeitsgrad angeboten. An fünf Tagen in der Woche finden vier Unterrichtseinheiten à 90 Minuten statt. Die Inhalte orientieren sich an der Lebenswelt der Teilnehmer. „Wir haben bei den Einrichtungen nachgefragt, was im täglichen Miteinander wichtig ist“, erklärt Anja Müller. So fanden auch beiläufige, aber wichtige Inhalte wie die Besonderheit des deutschen Dosenpfands Eingang in die Unterrichtsmaterialien.

Obwohl die Teilnahme am Unterricht freiwillig ist, platzen die Klassenräume beinahe aus den Nähten: Rund 600 Schüler kommen jeden Tag zum Unterricht. Am Ende des ersten Jahres werden rund 100.000 Menschen die sprachlichen Grundlagen für ein selbstbestimmtes Leben in Deutschland gelegt haben. In den Einrichtungen löst das Deutsche Englisch als Umgangssprache zunehmend ab. Die Bewohner gewinnen an Sicherheit und nehmen etwa beim Einkaufen ersten Kontakt mit Deutschen außerhalb ihrer Unterkunft auf. Anja Müller freut sich über diesen Erfolg: „In manchen Gemeinden gab es zunächst nachvollziehbare Ängste in der Bevölkerung, wer da wohl kommen würde. Mittlerweile gehören unsere Schützlinge zum normalen Straßenbild.“



Als Projektkoordinatorin hält Anja Müller die Fäden für das Sprachprogramm der Malteser Werke zusammen und stimmt die Arbeit der Sprachlehrer und ehrenamtlichen Helfer ab. Die studierte Kulturanthropologin sieht den Erfolg ihres Tuns jeden Tag: Der Deutschunterricht stärke das Selbstbewusstsein der Flüchtlinge und ermutige sie, Kontakt mit ihrer neuen Heimat aufzunehmen. Die Lernfreude und die Dankbarkeit der Flüchtlinge berühren sie immer wieder. Einen großen Wunsch hat sie jedoch noch: „Wir bräuchten mehr solch großzügiger Spender wie ALTANA. Dann könnten wir noch viel mehr tun.“

DEUTSCHUNTERRICHT VON ANFANG AN

Mit einer Viertelmillion Euro unterstützt ALTANA die Malteser Werke bei ihrem qualifizierten Deutschunterricht für Flüchtlinge. Das Erlernen der deutschen Sprache ist der Schlüssel für die Integration, sowohl in die Gesellschaft als auch in den Arbeitsmarkt. Das auf schnellen Lernerfolg ausgelegte Sprachkonzept hat das Potenzial, zum Standard in Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge zu werden. Erste Teilnehmer konnten bereits das anerkannte A1- Sprachzertifikat erlangen. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und evaluiert und kommt etwa 100.000 Flüchtlingen in Malteser-Einrichtungen zu gute.

Alle Kinder haben Potenziale, doch oft fehlen die Bedingungen, damit diese sich richtig entfalten können. An diesem Punkt setzt das sogenannte Bildungscoaching an, das ALTANA seit 2014 mit der gemeinnützigen Akademie Klausenhof und der Gemeinschaftsgrundschule GGS Innenstadt in Wesel verfolgt. Aufgabe des Projekts ist es, benachteiligte Kinder ab der zweiten Grundschulklasse individuell zu fördern, um ihnen bessere Bildungschancen zu eröffnen. Dies betrifft unter anderem Kinder mit Migrationshintergrund, aus bildungsfernen oder sozial belasteten Verhältnissen.

ALTANA finanziert in diesem Zusammenhang die Personal- und Sachkosten für eine sozialpädagogische Fachkraft. Ihre Aufgabe ist es, in Wesel Paten zu gewinnen, die die Kinder ehrenamtlich betreuen und begleiten. Dazu muss die Sozialpädagogin die Paten qualifizieren und anschließend ihre Tätigkeiten koordinieren. Für die Förderung in Frage kommen zum einen Kinder, die besondere ausbaufähige Talente besitzen. Zum anderen geht es darum, Kindern mit Defiziten zu helfen, diese abzubauen. Auf diese Weise soll die individuelle Persönlichkeitsentwicklung der Kinder unterstützt werden.

Die ehrenamtlichen Mentoren fungieren dabei nicht als Nachhilfelehrer, sondern als persönliche Ansprechpartner. Pro Woche verbringen sie außerhalb der Schulzeit zwei Stunden mit den Mädchen oder Jungen. In dieser Zeit begleiten sie die Kinder beispielsweise zum Musikunterricht, erkunden mit ihnen das Angebot der Stadtbibliothek oder machen Ausflüge in die Natur, die von den Kindern anschließend dokumentiert werden. 

Seit vielen Jahren beteiligen wir uns als regionaler Netzwerkpartner an der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung in Zusammenarbeit mit der deutschlandweiten Stiftung „Haus der kleinen Forscher“. Dabei unterstützen unsere Schulbotschafter in zwei Weseler Grundschulen sowie der Weseler DRK-Kindertagesstätte „Abenteuerland“ jeweils spezielle Projektwochen. Sie dienen nicht nur dazu, das Interesse an naturwissenschaftlichen Phänomenen zu wecken, sondern schulen außerdem die Fähigkeit, Probleme zu lösen.

Es gehört inzwischen ebenfalls zur Tradition, dass wir die kleinen Forscher zusammen mit Eltern, Lehrern und Erziehern einmal im Jahr in unsere Konzernzentrale einladen. Dort können sie an einem Nachmittag ihre Experimente und Forschungsergebnisse aus den Projektwochen vorstellen.

NGO und CSR-Verantwortlicher diskutieren über gesellschaftliches Engagement 

Dr. Kalyani Mandke ist Audiologin und hat seit 35 Jahren eine eigene Klinik im indischen Pune. Sie ist zudem Vorsitzende von „Suhrud Mandal“. Die NGO betreibt vier Schulen für hörgeschädigte Kinder und arbeitet mit einer Vielzahl von Maßnahmen daran, deren Zukunfts-chancen zu verbessern. 

Shirish Dabir hat mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Industrie. Der Diplom-Kaufmann und Jurist arbeitet seit über elf Jahren bei der ALTANA Tochter ELANTAS Beck India in den Bereichen Recht und Compliance und ist auch für das soziale Engagement des Unternehmens verantwortlich. 


Frau Dr. Mandke, wie wichtig ist das soziale Engagement von Unternehmen in Indien?
Dr. Kalyani Mandke: Hier ist die Lücke zwischen Armen und Reichen sehr, sehr groß. Internationale Nichtregierungsorganisationen, also NGOs, wollen und können zum Beispiel in den beiden zentralen Bereichen Bildung oder Gesundheit helfen. Allerdings reicht ideelles Engagement allein nicht aus, sondern erfolgreiche Unterstützungsarbeit benötigt auch Know how und finanzielle Mittel. Durch die Zusammenarbeit mit Unternehmen können wir Dinge zum Besseren wenden. Lassen Sie mich aber noch Folgendes hinzufügen: Wir sehen häufig, dass das Engagement von Unternehmen erschlafft, wenn im Unternehmen selbst viel in Bewegung ist. Bei ELANTAS Beck India ist das nie der Fall gewesen! 

Woran liegt dies Ihrer Ansicht nach? 
Dr. Kalyani Mandke: Jeder Mensch arbeitet für sein individuelles Glück, für seine ganz persönlichen Ziele. Gleichzeitig ist es aber genauso wichtig, der Gesellschaft insgesamt etwas zurückzugeben. Denn sie hat es uns erst ermöglicht, unsere Ziele zu erreichen. Ich denke, beides geht Hand in Hand. Menschen etwas von seiner Zeit zu geben, das macht den Unterschied im Leben aus. Das gibt diesen helfenden Menschen eine neue Perspektive, ja, sogar ein Stück Lebensinhalt. 

Herr Dabir, was sind Ihrer Ansicht nach die wichtigsten Gründe für das soziale Engagement?
Shirish Dabir: Dr. Mandke hat bereits vollkommen zu Recht festgestellt, dass für uns soziales Engagement sehr wichtig ist. Wir nutzen die Ressourcen der Gesellschaft. Deshalb ist es unsere Verantwortung und Pflicht, im Gegenzug der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Wir bei ELANTAS Beck India sind seit zehn Jahren in bestimmten Bereichen gesellschaftlichen Engagements aktiv, verstärkt jedoch seit fast drei Jahren.

Worauf fokussieren Sie Ihre Unterstützung?
Shirish Dabir: In der indischen Gesellschaft ist insbesondere der Bedarf nach einer guten Schulbildung hoch. Viele Menschen sind in einem Teufelskreis gefangen. Die Familien mit sehr wenig Geld können ihren Kindern keine gute Ausbildung bieten. Schlecht ausgebildet verdienen sie später nicht genügend Geld für eine gute Ausbildung ihrer Kinder. Deshalb ist die Verbesserung der Ausbildungsstandards für uns das wichtigste Ziel. Dies ist auch im Zusammenhang mit dem Förderungsschwerpunkt „Bildung und Wissenschaft“ von ALTANA insgesamt zu verstehen.

Und wie wichtig ist die Gesundheit als soziales Ziel?
Shirish Dabir: Sehr wichtig! Der Premierminister Indiens hat eine landesweite „Clean India Mission” ins Leben gerufen, um Gesundheit und Hygiene zu verbessern. Eine gute Initiative für die richtige Sache! Denn viele Menschen leben in Elendsvierteln unterhalb der Armutsgrenze, sodass Gesundheits- und Hygienestandards gefährlich niedrig sind. Die Verbesserung dieser Standards zu unterstützen, ist deshalb neben der Bildung ein weiterer, ebenso wichtiger Schwerpunkt unserer Tätigkeit.

Setzt ELANTAS Beck India die richtigen Prioritäten?
Dr. Kalyani Mandke: Ja! Und ich sage Ihnen auch warum. In Indien lebt annähernd 20 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Die Analphabetenrate liegt bei etwa 66 Prozent. ELANTAS hat dies erkannt und konzentriert sich auf die Bereiche Bildung sowie Gesundheit und Hygiene. Fokussierung, das ist genau der richtige Weg. Denn die finanziellen Mittel und die Bereitschaft und Fähigkeit der Mitarbeiter zu helfen sind begrenzt. 

Wie lange sollten Projekte begleitet werden?
Dr. Kalyani Mandke: Fest steht, dass man keine Resultate innerhalb eines Jahres erreicht. Drei bis fünf Jahre sind hingegen ein guter Zeitraum. Haben Sie keine Angst, dass die Aktivitäten nur ein Tropfen im Ozean sind! 

Seit 2014 sind Unternehmen in Indien gesetzlich zu sozialem Engagement verpflichtet. Welche Rolle spielt das bei ELANTAS Beck India?
Shirish Dabir: Wir waren schon vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes sozial engagiert. So haben wir Suhrud Mandal erstmals 2012 mit Farbe für den Anstrich ihres Schulgebäudes unterstützt. Und ELANTAS Beck India hat immer geholfen, wenn das Land von Naturkatastrophen heimgesucht wurde. Unsere Mitarbeiter spenden in solchen Fällen sogar Geld aus ihrem eigenen Portemonnaie. Sie sehen also, dass wir schon immer unsere gesellschaftliche Verantwortung wahrgenommen haben. Der einzige Unterschied zu der Zeit vor dem Gesetz besteht darin, dass unsere Aktivitäten nun noch strukturierter und besser organisiert sind.

Wie gehen Sie dabei konkret vor?
Shirish Dabir: Zunächst haben wir das grundsätzliche Vorgehen und Schwerpunkte bei der Förderung definiert sowie einen Entscheidungsausschuss gebildet. Das CSR-Team holt dann Referenzen und weitere Informationen ein – auch vor Ort. Neue Projektvorschläge werden bewertet und dem Entscheidungsausschuss, bestehend aus zwei unabhängigen Direktoren sowie dem Geschäftsführer von ELANTAS Beck India, zur finalen Entscheidung vorgelegt. 

Was sind aus Ihrer Sicht die Erfolgsfaktoren für die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und NGOs?
Dr. Kalyani Mandke: Der wichtigste Erfolgsfaktor ist in der Tat die finanzielle Unterstützung. In den meisten Fällen geben uns die Unternehmen auch die Freiheit zu entscheiden, wie genau das Geld eingesetzt wird. Der Nachteil dabei ist, dass viele Firmen zwar die Ressourcen zur Verfügung stellen, dann aber das Interesse an unserer Arbeit verlieren. Dabei könnten auch die Unternehmen und ihre Mitarbeiter von einer engeren Zusammenarbeit profitieren. Wie gesagt, soziales Engagement verändert nicht nur die Welt der Bedürftigen zum Positiven, sondern eröffnet auch dem, der Hilfe spendet, neue Perspektiven. Darüber sollten sich noch mehr Unternehmen bewusst werden. 
Shirish Dabir: Das sehe ich ganz genauso. Durch diese Art der noch engeren Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen erhalten wir einen tieferen Einblick in die Aufgaben und können viel Energie und Motivation freisetzen, um uns im Namen der Gesellschaft noch stärker sozial zu engagieren.



Mehr als 400 Kinder besuchen Schulen der auf Bildung für Hörgeschädigte spezialisierten NGO. Diesen Kindern helfen beim Lernen die eigens von Suhrud Mandal entwickelten Schulmaterialien.

ELANTAS BECK INDIA
BILDUNGSFÖRDERUNG IN INDIEN

 

ELANTAS Beck India und Suhrud Mandal arbeiten seit 2012 zusammen. Seither hat die ALTANA Tochter die NGO finanziell mit insgesamt fast 5,4 Millionen Indischen Rupien sowie Sachspenden wie zum Beispiel Computern unterstützt.

 

400 GEFÖRDERTE KINDER