ALTANA

Interview mit Dr.-Ing. Georg F.L. Wießmeier

CTO ALTANA AG

Die "ALTANA Innovation Conference" findet jedes Jahr statt. War die erste Veranstaltung erfolgreich? Was waren die Highlights der Konferenz 2008?

Die "ALTANA Innovation Conference" fand im November 2008 zum ersten Mal statt. Vorstand und Unternehmensleitung, Forschungsingenieure und Anwendungsspezialisten - insgesamt 100 Teilnehmer aus vielen Ländern, in denen die ALTANA aktiv ist - waren dazu nach Duisburg gekommen. Wir haben uns an den zwei Tagen nicht nur fachlich ausgetauscht, sondern auch unser persönliches Netzwerk ausgebaut. Dabei haben wir in Präsentationen, Workshops und Poster Sessions intensiv über neue Anwendungen, Technologien, sowie Ideen für neue Projekte diskutiert. Zusätzlich haben wir den ALTANA Innovation Award ausgelobt, den wir zukünftig im Rahmen der ALTANA Innovation Conference erstmals verleihen werden.

Welche Kriterien sind für die Nominierung festgelegt?

Mit dem ALTANA Innovation Award wollen wir weltweit hervorragende Innovationen innerhalb des Konzerns auszeichnen. Wichtige Kriterien sind, dass die ausgezeichnete Innovation sich als solche bereits in einem Markt bewährt und erste Umsätze generiert. Weiterhin ist uns wichtig, wie die Innovation zustande kam. Wir wollen insbesondere divisionsübergreifende Teamarbeit fördern und berücksichtigen auch das Zustandekommen und die Umsetzung entlang der gesamten Entwicklungskette, angefangen von der Idee bis zu deren Einführung in den Markt und deren erfolgreiche Vermarktung. Die Innovation soll nachhaltig sei: Sie soll dazu beitragen, die Lebensqualität zu verbessern bei gleichzeitiger Erhaltung der Umwelt und Schonung von Ressourcen.

In Duisburg wurde über eine Reihe von Themen wie neue Oberflächen, polymere Elektronik, Nanotechnology und die Anwendung von biotechnologischen Prozessen in der Spezialchemie gesprochen. Worin sehen Sie die Haupttrends für die Zukunft? Könnten Sie uns einige Beispiele für Produkte geben, für die in den nächsten 5 bis 10 Jahren Spezial-Chemikalien von ALTANA verwendet werden?

ALTANA besitzt für alle wichtigen Wachstumsfelder der Zukunft, wie Informations- und Kommunikationstechnologien, Konsumgüter für eine verbesserte Lebensqualität, Sicherheitstechnologien, Mobilität / Transport, Energie, Beeinflussung des Klimas, alternative Rohstoffquellen, Umweltschutz sowie Ressourcenerhaltung, eine gute Ausgangsposition. Daher sind wir sehr zuversichtlich, dass wir durch Innovationen auch zukünftig wesentlich zum Wachstum unseres Unternehmens beitragen können. Ein gutes Beispiel für eine neue Schlüsseltechnologie, für die sich in Zukunft ein neuer Markt eröffnen wird, ist sicherlich die Polymerelektronik oder Organische Elektronik, bei der elektronische Schaltungen, Bauteile oder ganze elektronische Geräte in kostengünstigen Druckprozessen hergestellt werden. Mögliche Anwendungen, in die unsere technischen Lösungen einfließen könnten, wären z.B. flexible Displays, Sensoren, MP3-Player, die in Kleidung integriert sind, oder RFID-Chips, die auf Verpackungen aufgedruckt werden. Daher evaluieren wir Geschäftsmöglichkeiten in diesem Bereich. Japan, Korea und Taiwan werden, wenn es um Anwendungen geht, sicherlich eine Vorreiterrolle einnehmen. Daher müssen insbesondere unsere Marktexperten in diesen Ländern über das Tagesgeschäft hinaus verstärkt mit unseren Kunden derartige Zukunftsthemen diskutieren.

Um auf Schlüsseltechnologien wie Nanotechnologie oder - wie Sie erwähnten - industrielle Biotechnologie zurückzukommen, evaluieren wir kontinuierlich neue Technologien, um den Anspruch unserer Kunden auf dem effizientesten Weg zu entsprechen.

ALTANAs Investitionen in Forschung und Entwicklung sind in etwa doppelt so hoch wie der Durchschnitt der chemischen Industrie. Wie zahlt sich diese Investition aus?

Wir bieten unseren Kunden im Wesentlichen sehr anspruchsvolle technische Lösungen für ihre Produkte an. Es geht eben nicht nur darum, Spezialchemikalien zu verkaufen. Da wir dabei in hochspezialisierten Nischenmärkten aktiv sind und den Anspruch haben, dort der Marktführer zu sein, ist unser Geschäft sehr innovationsgetrieben und erfordert ein hohes und überdurchschnittliches Engagement in Forschung und Entwicklung mit überdurchschnittlich qualifizierten Experten auf allen unseren Tätigkeitsgebieten. Dies gilt insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Welche Strategien verfolgen Sie, um R & D-Projekte zu definieren und zu finanzieren?
Unsere Forschung richtet sich nach aktuellen und zukünftigen Kundenbedürfnissen. Wir sprechen hier vom "Market Pull". Eine neue "Produktidee" durchläuft den klassischen Innovationsprozess, in den von Anfang an auch unsere Marktexperten mit einzubeziehen sind. Eckpunkte des Innovationsprozesses sind die Bewertung der Produktidee, des hinterlegten Geschäftsmodells sowie die Abschätzung des zukünftigen Marktpotentials durch Innovationsteams. Um ein neues Produkt als Innovation am Markt zu etablieren, ist es ebenso wichtig, sich der richtigen Schlüsseltechnologie zu bedienen. Hier sprechen wir vom "Technology Push". Schlüsseltechnologien wie zum Beispiel die Nanotechnologie oder die industrielle/weiße Biotechnologie spielen daher für uns eine wichtige Rolle, um auch zukünftig die für unsere Kunden wirtschaftlichsten Lösungen anbieten zu können. Sehr wichtig ist auch, dass wir uns zunehmend mit den Märkten der Zukunft und den daraus erwachsenden Bedürfnissen unserer Kunden befassen. Unsere Forschungsprojekte müssen daher zu einem gewissen Anteil auch auf einen Zeithorizont von mehr als fünf Jahren ausgerichtet sein. Da diese Projekte mit einem höheren Risiko einhergehen, haben wir den ALTANA R&D Fund ins Leben gerufen. Mit diesem Fund unterstützen wir insbesondere divisionsübergreifende Projekte, um zugleich das vorhandene Synergiepotential zu nutzen. Das Hauptaugenmerk unserer Forschungsaktivitäten liegt bei Additiven, Speziallacken- und Klebstoffen, Effektpigmenten, Dichtungs- und Vergussmassen, Imprägniermittel sowie Prüf- und Messinstrumenten. Daneben ist ein für mich wichtiger Aspekt der R&D Strategie, dass die bestehenden Kernkompetenzen sinnvoll erweitert werden, so dass wir auch in der Lage sind, uns attraktive Märkte zu erschließen, auf denen wir momentan noch nicht heimisch sind. Ein gutes Beispiel stellt die bereits erwähnte Polymerelektronik dar, die wir momentan hinsichtlich möglicher Potentiale näher bewerten.

Wie andere Unternehmen ist auch ALTANA von der weltweiten Wirtschaftskrise betroffen. Haben die Kosteneinsparungsmaßnahmen Einfluss auf den Schwerpunkt des Unternehmens in Bezug auf Innovationen?

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bewähren sich Unternehmen mit hoher Innovationskraft. Sicherlich müssen auch wir im Bereich R&D den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Rechnung tragen und die Kosten stets im Blick haben. Dies wird sich aber nicht auf unsere Innovationskraft auswirken. Unsere hohe Forschungsquote von 5,5 % (2008), also der Anteil der R&D-Ausgaben bezogen auf den Umsatz, wird sich nicht verringern. Wir befassen uns kontinuierlich mit der Steigerung der Effizienz im R&D-Bereich, in dem wir unser Projektportfolio straffen sowie die Innovationsprozesse optimieren. Dies ist ein Prozess, der unabhängig vom wirtschaftlichen Umfeld durchgeführt wird.

Quelle: CHEManager Europe,aktualisiert 12/2009