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"Die Feuerwehrleute waren sehr beeindruckt"

Wenn es in einem Chemiewerk brennt, werden meist ganz besondere Kenntnisse zum richtigen Löschen benötigt. Doch die hat noch längst nicht jede Feuerwehr. Herbert Quilitzsch, Brandschutzbeauftragter bei BYK in Wesel, über die Herausforderungen bei der Brandbekämpfung und ein besonderes Feuerwehrtraining.

Herr Quilitzsch, wie sieht das Brandschutzkonzept bei BYK aus?

Im Vordergrund stehen natürlich Maßnahmen zur Brandvermeidung, wie z.B. elektrische Geräte mit Explosionsschutz, Lüftungsanlagen mit geregeltem Luftwechsel oder Gaswarnanlagen. Wir haben unterirdische Tanklager, die wie die Produktionsan lagen mit Stickstoff überlagert sind. Wir haben flächendeckend Alarmanlagen installiert, die direkt mit der Feuerwehr verbunden sind und automatische Löschanlagen auslösen. Durch regelmäßige Schulungen werden die Mitarbeiter für das Thema sensibilisiert.

Um welche Art von Löschanlagen handelt es sich?

An den alten Produktionsanlagen, die 1990 gebaut wurden, und in den Lagern wird CO2 eingesetzt, das Feuer wird also durch Sauerstoffmangel erstickt. In der neuen Produktion haben wir eine Wasser/Schaum-Anlage und in der Energiezentrale eine Wasservernebelungsanlage.

Machen diese Einrichtungen die Feuerwehr überflüssig?

Nein, ganz sicher nicht. Die Feuerwehr wird immer noch gebraucht. Zum einen, wenn die Anlagen nicht die gewünschte Wirkung zeigen, oder zur Unterstützung der Anlagen und zum anderen zur anschließenden Prüfung bzw. Sicherstellung, dass der Brand auch wirklich gelöscht ist. Aber die Anlagen reduzieren natürlich das Risiko für die Feuerwehr und löschen auch viel schneller als sie. Dadurch ist die Feuerwehr in der Lage, das Feuer erheblich schneller unter Kontrolle zu bringen.

Beschäftigt BYK dafür eine Werksfeuerwehr, so wie es in der Chemiebranche üblich ist?

Nein, die haben wir nicht. Die Stadt Wesel hat eine sehr gute Berufsfeuerwehr, die nur wenige hundert Meter von uns entfernt stationiert ist. Da unsere Alarmanlagen direkt mit ihr verbunden sind, ist sie auch sehr schnell einsatzbereit. Bei einem Fehlalarm haben wir keine Chance, den Einsatz abzusagen. Die ist einfach zu schnell.

Eine chemische Produktion ist doch sicher auch für eine Feuerwehr eine besondere Herausforderung. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Die Zusammenarbeit läuft sehr gut. Die Feuerwehr hatte sich nach unserem Anlagenneubau viel Zeit dafür genommen, die Örtlichkeiten genau zu inspizieren. Immerhin haben sie einige Samstage damit verbracht.

Hat denn eine Feuerwehr, die üblicherweise Hausbrände löscht, auch Erfahrung mit solchen Herausforderungen?

Sicher nicht. Deswegen finanziert BYK aus eigenem Interesse der Weseler Feuerwehr ein Training in den Niederlanden, mit dem sie auf ganz spezielle Fälle vorbereitet wurde.

Warum in den Niederlanden?

Dort sitzt der weltweit führende Veranstalter. Und in Deutschland gibt es gar keine entsprechenden Trainingseinrichtungen.

Das heißt, die Ausbildung ist schon etwas Besonderes?

Ja. Ich habe zusammen mit Kollegen auch daran teilgenommen. Es war sehr beeindruckend und außerordentlich lehrreich.

Wieso beeindruckend? Haben Sie auch richtige Brände erlebt?

Ja, eigentlich schon. Es lassen sich verschiedene Brandszenarien trainieren. Der Übungsleiter kann von seiner Einsatzzentrale aus brennbare Gase und Flüssigkeiten so steuern, dass verschiedenste Brandarten sehr realistisch dargestellt werden.

Wie läuft denn so ein Training ab?

Zunächst wird in der Theorie besprochen, wie in welcher Situation bei der Brandbekämpfung richtig vorzugehen ist. Dann wird das Gelernte auf der Anlage trainiert. Die Feuerwehrleute müssen nicht nur richtig, sondern meist auch schnell reagieren. Machen sie einen Fehler oder sind sie zu langsam, wird das vom Trainer analysiert und er steuert den weiteren Verlauf so, dass die Folgen sich sofort in einer Verschärfung des Brandszenarios bemerkbar machen.

Und haben diese Übungen auch Wirkung bei der Feuerwehr gezeigt?

Abends, als wir beim Bier zusammensaßen, konnte ich erleben, wie beeindruckt die Feuerwehrleute von der Veranstaltung waren und wie lehrreich sie sie fanden. Dieses Training ist wirklich sehr empfehlenswert.

Reicht es aus, die Örtlichkeiten zu kennen?

Nein, natürlich stehen in unserer Brandmeldezentrale sämtliche Informationen über die bei uns verwendeten Substanzen und deren Gefährdungspotenzial zur Verfügung. Diese Zentrale steht in sicherem Abstand zu möglichen Brandherden.

Auf welche Gefahren muss denn die Feuerwehr besonders achten?

Wir arbeiten sehr viel mit brennbaren Lösungsmitteln. Das stellt an die Feuerwehr andere Anforderungen als z.B. ein Wohnungsbrand. Lösungsmittel können rasch auslaufen und sich großflächig verteilen. Und sie bilden zündfähige Dampf-Luft-Gemische. Dadurch entwickelt sich ein Feuer wesentlich schneller als bei einem Wohnungsbrand.

Solche Brände lassen sich doch sicher nicht so ohne weiteres mit Wasser löschen?

Wasser ist dafür nur schlecht geeignet, weil es meist schwerer ist als Lösungsmittel. Deshalb ersticken wir das Feuer mit CO2 oder löschen mit Schaum. Der Schaumteppich löscht das ausgelaufene Lösungsmittel. Deshalb haben wir neben der automatischen Löschanlage in unserem Feuerwehrgerätehaus auch noch zwei sogenannte Löschmonitore. Darin werden Wasser und Schaummittel gemischt. Mit dem darin erzeugten Schaum lässt sich ein Brand aus etwa 50 Meter Entfernung bekämpfen. Die Monitore stehen der Feuerwehr auch für andere Brände in Wesel zur Verfügung.

Was geschieht denn mit Löschwasser und Schaum? Stellen die keine Gefährdung für die Umwelt dar?

Im Prinzip schon. Aber auf unserem Gelände gibt es genügend Auffangvolumen und außerdem können wir das Abwassernetz verriegeln, so dass von dem Gemisch keine Umweltgefährdung ausgeht. Das Wasser wird in einem speziellen Löschwasserrückhaltebecken aufgefangen und anschließend als Abfall entsorgt.