ALTANA

"Der Unterricht ist viel spannender als sonst"

Die Chemiebranche bekommt ein Problem, denn ihr fehlen immer häufiger qualifizierte Mitarbeiter. Ideen sind gefragt. Dr. Wilfried Scholz, Leiter Technical Marketing bei BYK, im Gespräch über Nachwuchsmangel und die Kooperation Industrie und Schule (KIS).

Herr Dr. Scholz, wofür steht KIS?

KIS steht für Kooperation Industrie und Schule. Das ist eine Initiative zur Partnerschaft zwischen Schulen und Chemieunternehmen, die vom Verband der Chemischen Industrie (VCI) unterstützt wird. Analog dazu gibt es auch entsprechende europäische Programme unter dem Titel Education Industry Partnership.

Welches Ziel hat denn diese Kooperation?

Die deutsche Chemiebranche rechnet für die kommenden Jahre mit einem deutlichen Rückgang an qualifizierten Chemikern. Wir sind aber immer stärker auf gut ausgebildete Naturwissenschaftler angewiesen, um Innovationen voranzutreiben. Der VCI weist deswegen zu Recht darauf hin, dass besondere Anstrengungen unternommen werden müssen, um wieder genügend qualifizierten Nachwuchs zu bekommen.

Und wie kann KIS dazu beitragen?

Wir sind davon überzeugt, dass sich eine intensive Zusammenarbeit zwischen einem Unternehmen und einer oder mehreren Schulen bezahlt macht. Unsere Chemikanten, Laboranten, Ingenieure und Chemiker können sehr glaubwürdig rüberbringen, dass Chemie in Forschung und Anwendung hochinteressant ist und Spaß macht. Die Schüler erkennen dabei sehr schnell den praktischen Nutzen der Chemie und haben ganz nebenbei einen viel spannenderen Chemieunterricht als sonst.

Das klingt nach Arbeit. Welchen Aufwand muss ALTANA dafür betreiben?

Durchaus einen großen. Das galt natürlich besonders für das erste Projekt. Da war sehr viel vorzubereiten und mit der Lehrerin abzustimmen. Bei den Folgeprojekten wurde die Vorbereitung dann schon eher zur Routine. Pro Vormittag werden mindestens zwei Mitarbeiter benötigt, die das neben ihrer "normalen" Arbeit erledigen.

Und hat es sich gelohnt, haben die Schüler wirklich Spaß dabei?

Ich denke schon. Sie arbeiten meist gut mit und sind sehr interessiert. Beim ersten Projekt gab es außerdem einen Tag der offenen Tür, an dem das Projekt und das Gelernte den Besuchern vorgestellt wurden. Das war schon ziemlich toll und sicher mit viel Arbeit verbunden. Schön ist, dass sich viele Schüler für ein Praktikum interessieren oder sich gleich um einen Ausbildungsplatz bewerben. Sogar die lokale Presse hat sich für KIS interessiert und schon mehrfach sehr positiv darüber berichtet. Ich denke, die Mühe lohnt sich für alle Beteiligten, und wir sind weiter offen für solche Projekte.

Gab es noch andere Aktivitäten von Schülern?

Ja. Der Grundkurs Chemie des Konrad-Duden-Gymnasiums nahm mit den Ergebnissen eines Projekts am Schülerwettbewerb "Schule macht Zukunft" des Nachrichtenmagazins Focus teil. Die Projektarbeit trug den Titel "Additive und die Bedeutung der BYK für Wesel". Dazu gab es noch viele Fotos und Grafiken rund um das Thema Additive. Die Jury war sehr beeindruckt. Die Schüler stellten ihre Ergebnisse in einer 90-minütigen Präsentation vor immerhin 200 Gästen vor.

Seit wann läuft die Initiative schon und ist ihre Fortführung geplant?

Das erste Projekt wurde im Jahr 2000 mit der Realschule in Hamminkeln, einer Nachbargemeinde von Wesel, gestartet. Von dieser Schule ging auch die Initiative aus. Seither haben wir immer ein Projekt pro Jahr unterstützt. 2006 ist zwar kein Projekt zustande gekommen, wir stehen jedoch unverändert auch in Zukunft für weitere Kooperationen zur Verfügung.

Was passiert genau bei den Veranstaltungen?

An insgesamt neun Vormittagen, mal im Unternehmen, mal in der Schule, demonstrieren und erläutern wir die Effekte von Additiven, die zum Teil sehr überraschend sein können. Wir stellen aber auch mit den Schülern zusammen ein Additiv her, das in einem weiteren Schritt getestet wird. Auch Analytik ist dabei ein Thema.

Ist das ein Programm, um den Lehrern den Unterricht zu erleichtern?

Nein, das sicher nicht. Das Programm weicht doch sehr von der Unterrichtsnorm ab und erfordert von den Lehrern ein großes Engagement. Der Aufwand liegt deutlich über der sonst üblichen Vorbereitung auf den Unterricht. Gefordert ist auch die Schulleitung, denn sie muss das Projekt schon aktiv unterstützen, damit neun komplette Vormittage zur Verfügung stehen können.